Zeitschriftenband 
1848 Band 1
Einzelbild herunterladen

mit einem Gefühle innerer Befriedigung umarmte der Reichs⸗

323

Ihre ſchöne Geſtalt zitterte, und der Graf betrachtete mit Rüh⸗ rung in Miene und Blick das geliebte Weſen.

Endlich ſah Karin auf.Dieſe düſtre Stelle, ſagte ſie mit zitterndem, doch beſtimmtem Tone,dünkt mir wie geſchaf⸗ fen zu einem ewigen Abſchied. Hier hat gewiß die Natur geahnt, daß liebende Herzen ſich trennen ſollten. Wohlan, Graf Otto! auch ich nehme hier Abſchied von dem, was mir früher theuer war, von Ruhe und Glück im elterlichen Hauſe, von meiner Kindheit und Jugend Freuden und der Liebe. Ich ich folge Ihnen nach Venedig.

Der Graf blickte ſie mit dem Ausdruck freudiger Ueber⸗ raſchung an.Es war eine ernſte Art, über mein Glück zu entſcheiden. Aber ich erkenne mein Glück und werde unſre Sorgen zu verſcheuchen ſuchen, ſo weit ich vermag. Dank, meine Geliebte, für die offne und redliche Antwort!

Mit glühender Heftigkeit drückte er ſie an ſeine Bruſt und küßte ſie, obwohl ſie ſich bebend zurückzog. Man heatte indeſſen den Lätm der Jägerſchaar ringsumher vernommen, und bald trat die ganze Jagdgeſellſchaft aus dem Walde. Der Reichs⸗ kanzler ſelbſt und ſeine fürſtliche Gemahlin ritten an das Ufer heran, wo ſie ihre Pferde verließen und ſich dem Platze näher⸗ ten, von welchem der Graf das Fräulein durchaus ſich entfernen laſſen zu wollen ſchien. 2

Hier haſt Du mir Deine Antwort gegeben, ſagte er: laß uns hier auch den Segen und die Wünſche empfangen, die uns erſt vollkommen glücklich machen werden!

Die Eltern eilten herbei. Mit hoher Würde, doch zugleich