Zeitschriftenband 
1848 Band 1
Einzelbild herunterladen

322

Tiefe, wie nächtlich ſie auch ſein mag. Karin, bin ich Ihrem Herzen gleichgültig? Ich begehre eine Antwort, ſo beſtimmt, daß ich meines Lebens Schickſal entſchieden weiß.

Verlegen wandte das überraſchte Fräulein ihr Geſicht ab. Sie fühlte ſich ſo tief gedemüthigt bei dem Gedanken, daß gerade ſie, die vor ihrem betrogenen Ingendfreund ſo ſtolze und ſchöne Aeußerungen gethan, nun in ſeiner Nähe genöthigt ſein ſollte, ihres Herzens heimliche Treuloſigkeit zu offenbaren. Aber der feſte Blick des Grafen ſagte ihr, daß ſie dießmal auf keine Weiſe einer beſtimmten Antwort auf ſeine Bewerbung ausweichen konnte, was ſie bisher mit ſo großer Klugheit zu thun gewußt. Sie fühlte, daß ſie einen liebenden Jüngling beleidigt und gereizt, ſie zitterte davor, noch einen zu verwunden.

Aber er faßte freimüthig ihre Hand.Ich fordre nun, in dieſem Augenblicke Fräulein Karins Antwort auf meines Herzens Bitte um Liebe und Huld. Ich komme hieher aus dem Kriege, um in wenigen Augenblicken über mein Schickſal entſcheiden zu laſſen, und ich kehre zurück, um ſpäter nach Venedig zu gehen. Die Republik hat ſich meine Perſon von dem Könige zum Befehls⸗ haber ihrer Heere gegen die Türken erbeten. Will Fräulein Karin mir als meine Frau folgen, oder ſoll ich allein ein ehrenvolles Ende meines Lebens ſuchen? Hier, Fräulein Karin! Jetzt gilt kein Zaudern mehr. Ich biete Ihnen, als ein ehrlicher Soldat meine Hand. Nehmen Sie ſie und es erwarten uns die Segnungen der Eltern, oder wollen Sie, daß ich hier einen ewigen Abſchied nehme?

Fräulein Karin verbarg ihr Geſicht in ihren Händen.