Zeitschriftenband 
1848 Band 1
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nicht. Die Welt ſteht keinen Augenblick ſtill, die Zeit wartet auf niemand; deshalb muß ohne Zaudern voran, wer gewin⸗ nen will.

Sie erreichten das Haus. Die Eintretenden empfing ein gellender Hülferuf aus dem obern Gaden.Ein Weib kreiſcht! ſchrie Kaver und war mit zwei Sätzen droben. Im Zimmer ſträubte ſich Nischen in den Armen eines großen ſtarken Mannes von wildem Ausſehen. Der Hauptmann Hans von Poſſow ſah ſchon recht wie ein Kinderfreſſer und Jungfernſchreck aus mit ſeinen grim⸗ mig blitzenden Augen unter fingerdicken Brauen, mit dem ge⸗ waltigen Schnurrbart, deſſen Enden überlang und beſenförmig, wie drohende Kometenſchweife aus dem Geſicht hervorſtarrten. Daneben ſtand mit offenem Mund und verblüfftem Geſicht ein Rauchfangkehrer im Rufkleid.

Mit behendem Griff erlöſte Kaver die Jungfer aus den Händen des bärtigen Ungethüms. Ein kräftiger Rippenſtoß hatte dem Raubauz ſo ziemlich den Athem verſetzt.He, holla! was iſt denn los? fragte eintretend der keuchende Hausherr. Nischen gab Beſcheid:Der Herr will mich alleweil küſſen, klagte ſie.Das laſſ Er ſich vergehen, rief Kaver, ganz nah an den Hauptmann hintretend und ihm keck in die Augen ſchauend:ſonſt reden wir mitſammen. Verſteht mich der Herr? Ich heiße Franz Kaver Rainmaier. In barſchem Ton antwortete Poſſow:Ich verſteh deutſch, Gott Lob, und wollte dem Herrn ſchon gehörig Beſcheid geben, wenn der Herr ein Cavalier wäre. Der Cornet lachte mit ingrimmigem Hohn:Cabalier heißt zu deutſch ein Reitersmann.Ja, ein adeliger.Ein kaiſerlicher Offizier iſt immer von