Zeitschriftenband 
1848 Band 1
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todtſchießen. Der Herr hat etwa vergeſſen, daß mein Kaver bei den Kaiſerlichen dient?

Verlegen rieb der Meiſter ſich die Hände, und es war ihm juſt zu Muth, als ſäß' er wieder im Rathſaal; er wußte nicht ein, nicht aus. Unter die Hausthüre tretend, aus welcher die alte Frau herausgekommen war, ſagte er:Sie muß mir aus⸗ führlich erzählen, wie's zugegangen iſt. Vielleicht kann ich etwas für den Paule thun. Der herzogliche Hauptmann wohnt bei mir im Haus; ich will mit ihm reden.

Trine nöthigte den Meiſter in die Stube, und begann zu weinen. Das freundliche Wort hatte ſie gerührt. Sie brauchte eine Weile, bis ſie mit der Schürze die überſtrömenden Augen getrocknet und ſich ein wenig geſammelt hatte. Doch zum Er⸗ zählen kam ſie vor der Hand nicht. Denn auf dem Flur raſ⸗ ſelten und klirrten beſpornte Tritte, raſch öffnete ſich die Stu⸗ benthür, und herein ſtürmte ein junger Mann, der ohne Um⸗ ſtände die alte Frau in ſeine Arme ſchloß. Trine ließ ſichs gern gefallen. War nicht der Jüngling ihr Enkel Kaver? Ein ſtarker und derber Reitersmann mit gelben Ringellocken und waſſerblauen Augen, im ſonngebräunten Angeſicht einen flachs⸗ gelben Schnautzbart.

Woher, Kaveri, wie vom Himmel gefallen? Ich meinte, daß Du Dich in der Türkei mit Janitſcharen, Ungarn und andern Mohren herumhau'ſt und ſeh' Dich plötzlich hier?

Das muß die Frau Großmutter nicht wundern. Der Krieg iſt ein ſtürmiſches Meer, der Soldat ein leichtes Boot ohne Tuch und Steuerruder. Noch iſt's nicht lange her, daß