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euerm Säckel geht. Iſt es nicht ein Schimpf und eine Schande, daß ein edler Rath dem Herzog Clemens geſtattet, ſein Werb⸗ zelt in unſerer Stadt aufzuſchlagen? Wir ſind gut kaiſerlich und noch beſſer katholiſch; er iſt ein Calbiniſt und dem Reichs⸗ feind zugethan. Die Spatzen pfeifen's von den Dächern, daß der Herzog für den Franzoſen wirbt, und jeder Hund bellt dagegen, daß wir unſere Söhne und Enkel zu ſolchem Frebel und Verrath hergeben. Das unvernünftige Vieh hat mehr Herz und Verſtand, als ein edler Rath.“
Der Meiſter wagte nicht, die Alte mit ſchnöder Rede
abzuweiſen. Ihre Freundſchaft war zahlreich in der Stadt,
die neue Rathswahl ſtand vor der Thür, und er bedurfte der
Leute, um ſeinen Sitz zu behaupten. Weshalb er ſauerſüß
lächelnd Beſcheid gab:„Der Herzog hat Brief und Siegel, daß er in unſerer Stadt werben darf. Er muß dafür unſere Feldfrüchte und unſern Wein unberzollt durchlaſſen. Machen
wir ihm ſein Recht ſtreitig, ſo legt er ſeinen Schlagbaum auf
die große Straße, ſetzt ſeinen Mauthner an den Strom und drückt uns, daß uns das Blut unter den Nägeln hervorſpritzt. Was er mit dem geworbenen Volke beginnt, iſt ſeine Sache. Jeder von uns kümm're ſich um das, was ihn angeht: der KFaiſer um's Reich, der Rath um die Stadt, die Frau Trine um ihr Haus.“—
„Um mein Haus red' ich eben,“ antwortete die Frau; „die Werber haben meinen Enkel, en Paul bethört und ver⸗ lockt. Jetzt ſoll er einen blauen Kittel tragen, dem Kalbfell folgen, und, Gott verzeih' mir die Sünde! für den Franzoſen ſein Blut verſpritzen, oder wohl gar ſeinen eigenen Bruder


