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dem Rifle zielend folgte. Inzwiſchen war der geſchoſſene Tiger auf ſeinen Schützn losgeſprungen, und der Mond be⸗ leuchtete das furchtbar ſchöne Thier. Ein Lauf hing ihm loſe nur am Bug, und der Schweiß quoll in vollem Strom aus der Wunde. Die letzte Kraft zuſammenraffend, ſuchte es den Jäger anzugreifen. Seine glühenden Augen dehnten ſich un⸗ natürlich weit aus, und es konnte kaum mehr von der Stelle. Bermudes ſtand unbeweglich und ließ nur ſeine Klinge blitzen. Endlich ermannte ſich der Jaguar noch einmal zum Satz, und fiel dann kraftlos auf der Stelle nieder, wo ſein Feind eben geſtanden, der behend ausgewichen war. Die Beſtie kam ganz nahe zu mir, als ſie des ſtarken Mataſiete Klinge traf; noch ein Gebrüll, dann war ſie verendet. Der Fang hatte das Herz getroffen.
„Dummheit,“ brummte der Siebentödter:„das Fell iſt meiſt zerriſſen; ich ſpreche nicht von meinem eigenen!“ Er zeigte mir dabei ſeinen von oben bis unten zerkratzten Arm. Kaum hatte er's geſagt, als ſich wieder ein Brüllen vernehmen ließ, gefolgt von einem Knall; dann krachte es im Gezweig und eine ſchwere Maſſe plumpſte zu Boden. Ein Schuß war ge⸗ ſchehen, wie ihn nur ein nordiſcher Rifleman zu thun weiß. Der Canadier hatte den Tiger„nach Ermeſſen“ zwiſchen bei⸗ den Augen in den Kopf geſchoſſen, und richtig den Fleck ge⸗ troffen, wie bald das Jubelgeſchrei der Waidleute mich belehrte.
Ich näherte mich nicht ohne Bedauern dem andern Opfer der Menſchen und des Tigers: dem Fohlen. Es lag regungs⸗ los am Boden. Ein blutiger Griff auf der Stirne, ein zweiter auf dem Widerriſt und die ſichtliche Verrenkung der Hals⸗


