halt des Elends. Inmitten des Dörfchens ſtand die Bude, woraus die Bewohner ſich mit Lebensmitteln und Waaren zu verſorgen haben. Hier blieb ich eines Morgens ſtehen, um Handel und Wandel zu beobachten. Jeder Arbeitsmann führte ein Stückchen Schilfrohr, etwa ſechs Zoll lang, worin er zu⸗ ſammengerollt zwei Stückchen Papier trug, das eine für ſein Haben, das andre für ſein Soll. Die Zeichen darauf waren von altfränkiſcher Einfachheit. Ein Querſtrich geht von einem Ende des Blättchens bis zum andern, und von dieſem aus der Länge nach wieder andere von verſchiedener Ausdehnung, die ſammt Nullen und halben Nullen ganze und halbe Piaſter und Realen angeben. Von dieſen Strichen heißt die Abrech⸗ nung ſelber Raya. Die Käufer handelten und mäkelten immerdar die längſte Zeit, bevor ſie mit dem Verkäufer han⸗ delseins wurden; unter ihnen bemerkte ich bald einen, der, noch viel bleicher und hohläugiger denn alle andern, etwas ab⸗ ſeits hin und her ging, und lüſterne Blicke auf die Bude warf. Er rauchte eine Cigarrette um die andre, offenbar um den bellenden Magen zu betäuben. Endlich faßte er ſich ein Herz, trat näher und verlangte einen Cuartillo Mais. „Eure Rechnung,“ verſetzte der Ladendiener.
Der Peon zog ſein Hauptbuch aus dem Schilfrohr; da aber ſah es jämmerlich aus; auf dem Haben ſtanden die Zeichen gar dünn, aber das Soll ſtrotzte übervoll.
„Ich muß erſt anfragen, ob ich Euch noch etwas verab⸗ folgen darf!“ ſagte der Diener, indem er die Rechnung zu⸗ rückgab. Der arme Teufel hatte zweifelsohne dieſe Antwott vorausgeſehen, und ſie konnte ihn daher nicht überraſchen;


