Zeitschriftenband 
Band 2 (1847) Band 2
Einzelbild herunterladen

259

Letzter Dolchſtoß.

Am Abend gingen wir, S.. und ich, auf der Piazza di Spagna ſpazieren.

Was denken Sie von dieſer ganzen Geſchichte von Ghita? ſagte er zu mir.

Ich denke, daß es eine Perſon iſt, die etwas von der Amme von Romulus und Remus hat und ich beharre mehr als je bei meiner Anſicht: die Liebe mit Dolchſtößen hat allerdings etwas Rührendesiſt aber ſehr unverdaulich. In einem Salon von Paris geſprochen, würde die Erzählung von Ghita als eine Auferſtehung des Mittelalters, durch einen Irrthum im Datum unſerer Zeit zugeſchrieben, erſcheinen.

Aber Sie wiſſen, daß dies die Sitten des römiſchen Volkes von Trastevere ſind: hier finden alle Morde aus Liebe ſtatt; die Juſtiz iſt auch nachſichtig, obgleich ſie den Rück⸗ fälligen den Galgen auf dieſer Welt und die Hölle in jener verheißt. Ghita iſt durchaus keine Ausnahme. Eine Aus⸗ nahme würde ſie bilden, wenn ſie anders wäre, als ſie iſt. Sie erinnern ſich, was im vorigen Jahre dem jungen Deut⸗ ſchen begegnete, der, wenig vertraut mit ſolchen Manieren, als Künſtler ſtehen blieb, um die Schönheit eines Mädchens zu bewundern, das jenſeits der Tiber unter ſeiner Thüre ſtand. Passa o mai piu passerai!«(Gehe Deines Wegs, oder Du wirſt nie mehr vorübergehen!) rief ihm ein Mann zu, der, die Hand in ſeiner Taſche, aus dem Hauſe ſprang. Im Rione dei Monti wäre ein Franzoſe vor einigen

Monaten beinahe einem Dolchſtoße unterlegen, den er erhielt,