Zeitschriftenband 
Band 2 (1847) Band 2
Einzelbild herunterladen

249

nieren und Stellungen anzunehmeu, die mir keinen Zweifel über ihre Vertraulichkeit ließen. Als ſie weggehen wollte, nachdem ſie mich nämlich gehörig betrachtet und ſich von mir hatte als eine ihrer Sache ſichere Frau betrachten laſſen, ſtand ſie auf und gab einen Fächerſchlag auf die Schulter ihrem Cavalier, der ſich ſeit einigen Augenblicken ſtellte, als ſchaute er auf die Seite, welche der entgegengeſetzt war, wo Dianora und ich uns mit den Augen maßen; nach dieſem Zuge, der gleichſam die Sklaverei des Einen gegen das An⸗ dere bezeugte, entfernten ſie ſich.

Ihr begreift, daß ich Abends in das Theater zu gehen mich nicht enthalten konnte. Sie ſpielten Beide in einem aus dem Franzöſiſchen überſetzten Drama, und durch ein ſeltſames Zuſammentreffen der Umſtände hatte die Stellung, die er ihr gegenüber einnahm, große Aehnlichkeit mit unſerer wirk⸗ lichen Lage. Dianora gab die Rolle einer Frau, welche die Stelle einer Rivalin einnimmt und ſich von ihrem Geliebten heirathen läßt. Ich verſetzte mich ſo ſehr in das Innere der Perſonen dieſer Handlung, daß es mir vorkam, als ginge Alles, was das arme verlaſſene Mädchen ſagte, durch meinen Mund. Hiedurch fühlte ich meinen Haß nur um ſo mehr gegen dieſe Gräfin des Drama zunehmen, welche in Wirklich⸗ keit die Dianora war. Dagegen begeiſterte ich mich auch immer mehr für einen Chevalier, den er darſtellte, und ſeine Gewiſſensbiſſe ſchienen mir an mich gerichtet zu ſein. Als das Opfer der Intrigue ſich am Ende des Stückes vergiftete, rief ich:

Sie muß zuvor getödtet werden!