Zeitschriftenband 
Band 2 (1847) Band 2
Einzelbild herunterladen

242

Hätte mich S in dieſem Augenblick auf mein Ge⸗ wiſſen gefragt, ſo wäre ich genöthigt geweſen, ihm zu antwor⸗ ten, Ghita ſei ſchön. Ihre Phyſtognomie hatte nun einen Ausdruck, daß ich begriff, man könnte ſtolz darauf ſein, ihn aus der gewohnlichen Unempfindlichkeit ihrer Züge hervorzurufen. Ihr Auge wiederſtrahlte von Leidenſchaft; der geſpannte Bogen ihrer Brauen drückte mehr die Begeiſterung, als die Grauſam⸗ keit aus, die ich zuweilen darin fand, und ihr Mund hatte ſeine gewöhnliche Verachtung verloren, um ſich beinahe wol⸗ küſtig hervorzuheben; ihr Buſen ſchlug unter den Haarflechten, die ihn nur ſchlecht verhüllten.

Ich ſchaute den Maler an... er hielt ſich den Kopf wie ein Verzweifelter.

Sie liebt ihn immer noch, murmelte er.

Ja, dergeſtalt, daß ſie ihn ohne Zweifel getödtet hat, erwiederte ich;das iſt eine nachgeborene Liebe.

Ghita fuhr fort:

Das war ſtärker als ich; ſobald der Abend kam, klei⸗ dete ich mich, trotz aller meiner ſchönen Vorſätze, als Mann an und begab mich ins Theater. Mein Vater war mit Eng⸗ ländern abgereiſt, die er nach Salerno führte, und ich konnte frei mit mir ſchalten und walten! Ich kam etwas ſpät nach dem Fondo; denn unruhig, wie ich war, verirrte ich mich in den kleinen Gaſſen, da ich es in meiner Verkleidung nicht gewagt hatte, den Weg durch die Strada di Toledo zu neh⸗ men. Als ich in das Theater eintrat, zitterte der Saal von Beifallsgeſchrei. Es waren:Bravo! und:Evviva! daß man nicht mehr wußte, wohin man ſie thun ſollte! ein