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Band 2 (1847) Band 2
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Und dem Blinden naht ſich etwa ein zartes Dirnlein und erzählt ihm von dem Licht des Tags und von der Mond⸗ helle der Nacht, und bringt ihm vielleicht eine Zitter, auf der er ſpielen kann die muntern Weiſen ſeiner Jugend, und deren Klänge ihm zu eben ſo vielen Lichtern werden, die gleich Fackeln ſein Gedächtniß erhellen und ihm verwichener Jahre Glück, als wie ein buntes Schauſpiel vorzaubern denn jeder Ton iſt ein Sonnenſtrahl und des Blinden Seele richtet ſich wiederum geſtärkt und muthig auf.

Aber was bleibt dem Gefangenen in finſterer Kerkerzelle, deſſen Aug' und Ohr lebendig, deſſen Blut raſch und kreiſend wie zuvor, und dennoch iſt der Tag für ihn todt, und ſein Ohr hört nur ſeine eignen Seufzer und das Geraſſel ſeiner Kette, und zerbrochen iſt ſeine Zitter, dahin iſt für ihn jegliche Muſik?

Wehe! wie ſo taub und blind und lahm fühlte ſich Gott⸗ rath in ſeiner Haft im Rabenthurm zu Waldkirch!Was hab' ich nur gethan fragte er ſich verzweifelnd daß man mich geworfen in den ſchwärzeſten Keller, wo ich in Moder und Näſſe ſitze, angefeſſelt an die ſtinkende Mauer, ohne mich des Himmelslichtes zu getröſten, und ohne eine menſchliche Stimme zu hören? Was hab' ich verbrochen, daß meinen ban⸗ gen Fragen keine Antwort, meinen Klagen kein Mitleid wird? Iſt's denn in dieſem Städtlein Waldkirch ein Halsverbrechen, wenn man einer Dirne das Wort nicht hält, das man ihr im Liebesrauſch gegeben? So iſt's ja nicht einmal zur Zeit der alten römiſchen Tyrannen gehalten worden! O Vnnel, o Heiri, ie u und ſtrenge rächt Ihr Euch an mit, dem armen