Was war hier zu thun? Nach Konſtantinopel zurückzu⸗ kehren, um ſelbſt den Paß zu holen, hätte eine unerſetzliche Zeit gekoſtet; beſſer ſchien es um den Paß zu ſchreiben und indeſſen nach Redoute⸗Kaleh zu ſegeln, wo ohnehin Quaran⸗ taine gehalten werden muß. Dieſe Quarantaine zu Redoute⸗ Kaleh oder zu Nikolajeff, dem andern Hafenplatz, dauert vier⸗ zehn Tage, und Montandon fing an zu merken, daß er mit zwei Monaten Zeit nicht ausreichen würde. Das war auch an den Fingern abzuzählen; am 21. Oetober hatte er Marſeille verlaſſen, am 8. Nobember war er zu Trapezunt, vor dem 13 ten deſſelben Monats konnte er ſchwerlich Redoute⸗Kaleh erreichen, wo er vierzehn Tage zu verbleiben hatte. Wie ſollte er nun in einem Monat mitten im Winter das pfadloſe Wald⸗ gelände auch nur oberflächlich beſichtigen, die ſchwierige Unter⸗ handlung zum Ziele führen, und die Rückreiſe machen, wo ihn, nebenbei bemerkt, erſt noch eine neue Quarantaine von zwölf Tagen auf Malta oder zu Marſeille erwartete?— Dieſe Wahrnehmung überraſchte ihn nicht wenig. Eilwagen, Dampf⸗ ſchiffe, vor allem aber die Schienenwege haben in den geſit⸗ teten Ländern das heutige Geſchlecht verwöhnt, ſo vaß es nicht mehr an die Tage zurückdenkt, in welchen das Reiſen ein ſchwieriges Unternehmen war, und überraſcht iſt, wenn es ir⸗ gendwo in der Welt noch Gegenden trifft, wo das Fortkommen viel Zeit und Geld koſtet und mit Beſchwerlichkeiten verbun⸗ den iſt.
Die Quarantaine von Redoute⸗Kaleh war juſt kein Pa⸗ radies. Elende Bretterhütten, ein Feuerheerd in freier Luft,
ein ruſſiſcher Soldat als Aufſeher, das waren Herrlichkeiten, Der Erzähler, 1846. 1. 20


