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Unter dem dichtgedrängten Volke ſtand Lina nahe am Schaffote: ihr Herz klopfte laut in dem bangen Buſen und bald hätte ſie geweint, trotz dem Volk, das ſie umringte: wäre ſie nicht gekommen geweſen, um Geeraert muthig zu machen und hätte ſie nicht gefühlt, wie wenig Thränen dazu taugen. Ihr Bruder Franz befand ſich an ihrer Seite, hübſch geklei⸗ det, mit einem breiten Hute auf dem Kopfe und einem brau⸗ nen Mantel auf den Schultern, wie ihn die meiſten Bürger jener Zeit trugen. Lina hatte ihm die ſchreckliche Gefahr Geeraerts geſchildert, und er in ſeiner leicht erregbaren Her⸗ zensgüte hatte unwiderruflich geſchworen, dem den Kopf einzu⸗ ſchlagen, der den erſten Stein nach dem Scharfrichter wer⸗ fen würde.
Da es ſchon ſpät war und bereits zu dunkeln begann waren die Henkersknechte geſchäftig, auf dem Schaffote Alles herzurichten, damit man nicht mehr lange warten dürfe. In dieſem Augenblicke fuhr der Henkerskarren durch das Volk und wurde durch ein allgemeines Geräuſch angekündigt. Der verurtheilte Harmen, in ſchwarze Leinwand gekleidet, ſaß mit einem Prie⸗ ſter im hintern Raum des Wagens. Geeraert mit dem gro⸗ ßen Schwert befand ſich mit ſeinem Knechte auf dem vor⸗ dern Sitze.
Es iſt unmöglich zu ſagen, was in dem Innern des Scharfrichters vorging, da auf ſeinem Geſichte ſich nichts ab⸗ ſpiegelte; er hatte ſeine Blicke zur Erde niedergeſchlagen, und ſah nicht auf das Volk. Und in der That, wenn das Schwert ihn nicht kenntlich gemacht hätte, würde man nicht haben ſa⸗ gen können, wer von beiden, ob er oder Harmen, der Verur⸗


