285
malmen? Weißt Du, daß Deine Worte mir das Schrecklichſte wahrſagen?“ „Ja, ich weiß es,“ antwortete Geeraert mit hartnäckiger Kälte, die den alten Vater ſchauern machte. 2 Nachdem richtete er ſich halb im Bette auf und ſeinen Sohn an ſich ziehend, umarmte er ihn unter bittern Thränen. „O Geeraert,“ rief er,„ich verſtehe Dich, Du willſt ſterben! Du findeſt Freude an dem ſündigen Gedanken, an dem ſchrecklichen Traume. Freiwillig gibſt Du Dich der Raſerei der Menge zum Beſten.... Und ich alt und allein ſoll auf der Welt bleiben. Du willſt mich dem Unglück überlaſſen? Dachteſt Du nicht an die Undankbarkeit, die in Deinem Vor⸗ ſatze liegt, Geeraert?“ Dieſe Worte machten einen tiefen Eindruck auf den Jüng⸗ ling. Der Gedanke, dieſes Tages zu ſterben, hatte ihm die ganze Nacht zugelacht und jetzt mußte er aus Liebe zu ſeinem
Vater alles anwenden, um ein Leben zu erhalten, das ihm
läſtig war. „Mein Vater,“ ſagte er,„o vergib mir, ich weiß meine Pflicht. Wohlan! ich will mit Muth das Schaffot beſteigen.
Mögen alle Schmach und Schande, die ein Menſch tragen
kann, auf mich fallen, ich will ihnen Stand halten! Nun fürchte ich nichts mehr; bereit, den Schlag mit Kälte zu vollführen, will ich meine Hand in das Blut meiner Brüder tauchen, ohne daß ein Gefühl von Schauer über mich komme. Es iſt geſagt,— ſie haben es gewollt! Weine nicht mehr, mein Va⸗ ter, Dein Sohn wird Henker werden und mit einem Hen⸗ kersherzen!“


