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ſich am liebſten Schön⸗Aenneli... denn dort, ſo zu ſagen,
der weiblichen Zuhörerſchaft im Schvoße faß auch Gottrath,
und zwiſchen ſeinen Liedern und Zitherweiſen gab's vollauf Gelegenheit, ihm ein freundlich Wort zu ſagen, ein freundlich Wort von ihm zu hören. Der kühlſte Trunk wurde ihm ge⸗ bracht, den leckerſten Wecken, den fettſten Biſſen reichte ihm dort bald Aenneli's, bald Urſen's Hand. Vater Pfenninger ging munter ab und zu, und dachte an nichts Böſes. Brachte doch der angenehme Spielmann der Freude Ueberſchwang in ſein Haus; machten doch ſeine Geſänge die Stirne der Simons⸗ wälderin heiter, und frohmüthig das in der letzten Zeit gar oft ſo ernſthafte Geſicht der geliebten Tochter!
An jenem Spätſommer⸗Abend jedoch bei vollem Hauſe und Rundgeſang war's anders. Frau Urſe trutzte, und Herr Heinz fragte ſie verſtohlen:„Wo fehlt's denn, liebes Weib?“ — Schön⸗Aenneli ſeufzte, und heimlich fragte Gottrath, auf der Laute klimpernd, das Mädchen:„Wo fehlt's heute, herz⸗ liebſte Jungfer?“
Und ihm antwortete eben ſo heimlich im Vorbeihuſchen das Mädchen:—Ach, liebwerther Geſell, ich bin unglücklich zum Sterben!“— Und dem Herberger antwortete Frau Urſe erbittert:„Mit der Dirne iſt's nicht mehr zum Aushalten. Hat ſie nicht heute Abend wieder mit ihrem Hochzeiter gezürnt
und geſtritten, ſo daß er jetzt ſich dort unten hinter die Thüre
geſetzt hat, zu den böſen Nachtbuben, und trinkt im Groll und Jaſt den Wein hinein, und macht ſich ſchlimme Gedan⸗ ken? Wahrlich, an der Zeit iſt's„an der höchſten Zeit, das Weibsbild aus dem Haus zu ſchaffen. Darum ſo fördere bei
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