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Band 1 (1847) Band 1
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ten dem ſchönen Lautenſchläger zuzuwinken:Du biſt uns lieb!« Doch gab er nichts darauf, ſeit ihm Aenneli's Blicke daſſelbe ſagten, und vielleicht noch mehr. War ſie gleich ſchon einem Manne verſprochen, war ſie gleich für den armen land⸗ fremden Spielmann eine verbotne Frucht, dennoch gab er nicht auf, in ihre Gunſt ſich mehr und mehr hineinzuleben. Ein⸗ mal war er ein junger Mann, empfänglich und gefühlvoll und unterthan dem Reiz der Frauen; zum andern kann ein ächter Sänger nicht ohne eine Holdſchaft und verſteckte Liebe ſein, weil nur ſie der Tert ſeiner Lieder; und zwar ſelbſt dann, wenn er von Waffen ſingt und von des Bechers Freuden. Der Kriegsgott und der Gott der Reben können ohne die Frau Venus nicht beſtehen.( 2)

2.

Die Stube in der Herberge zum Blumenſtock hatte eigent⸗ lich zwei Abtheilungen: den Zechgaden, wo alles durcheinan⸗ der ſaß, und im Hintergrund deſſelben eine breite Erhöhung, mit einem Geländer eingefaßt, woſelbſt, ein paar Stufen höher, die Auserwählten der Hausgäſte zechten und ſchwatzten und das heilige römiſche Reich deutſcher Nation zurecht legten, und den Kaiſer, der ihnen n, und die Nachbarn bis auf den Bettelmann herab, ſo K. nahe, durch die Hechel zogen. Dort ſaßen auch neben ihren Männern und Vätern die Wei⸗ ber und Töchter Waldkirchs, um den Sonntagsabend luſtig zu verbringen; dort verkehrte mit ſeinen Rathsgenoſſen der Herberger, Frau Urſe mit ihren Freundinnen; dort tummelte