6
getreten, die für arme Landfahrer Trank und Speiſe und einen Arm voll Stroh in Bereitſchaft hatte, und zu den Leuten, ſo darinnen hauſten, hatte er geſagt: Geld und Gut führe ich nicht, aber die Zither da und meine Lieder werden, denk ich, mein erſtes Nachtlager bezahlen, und vielleicht werd' ich be⸗ kannt in Stadt und Land, und vermag ich mir die Pfenninge zuſammenzufingen und zu ſpielen, deren ich bedarf, um bei euch zu leben ſchlecht und recht, bis der Pfarrherr wieder⸗ kehrt von Rom.
Die Schenkleute ließen ſich's gefallen, und gleich am andern Tag ſchon trug gleichſam der Wind den Ruf und Ruhm des fahrenden Sängers in alle Häuſer der Stadt, in die Hütten der Dörfer, ja ſogar auf die Berge in die Veſten der adelichen Geſchlechter. Die ritterlichen Pfleger der Schlöſſer zu Waldkirch und Kaſtelberg ließen den Gottrath kommen, lauſchten ſeinen Liedern und beſchenkten ihn mit reichem Lob, mit reicher Gabe.— So thaten auch einige Klöſter in der Nachbarſchaft und ſelbſt die Genoſſen der Trink⸗ und Geſell⸗ ſchaftsſtube„zum Gauch“ in der reichen Stadt Freiburg.
Dort wäre Gottrath gern behalten worden; immer aber zog es ihn zurück nach Waldkirch, ſeines Pflegevaters Heim⸗ kehr nicht zu verſäumen— und wo möglich noch deutlicher leſen zu lernen in den ſchonen Augen der Tochter in der Her⸗ berge zum Blumenſtock, woſelbſt, wie ſchon geſagt, fröhliche Zeit war, und der fremde Sänger nicht fehlen durfte, ſo oft der liebe Gott nach dem heißen Tag den kühlen Abend be⸗ ſcheerte.
Adeliche und bürgerliche Frauenaugen insgeſammt pfleg⸗
—
——


