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Band 1 (1847) Band 1
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und ring; ein paar Bücher und Wanderſchuhe zum Wechſeln waren all ſeine Habe, wenn man nicht von der köſtlichſten reden will, die er beſaß: von der Laute voll von Wohlklang, die an ſeiner Seite hing, und von der ſüßgeſchmeidigen Stimme, die ihm der Schöpfer in die Bruſt geſtiftet, damit er alle die des Sanges in Liebe pflegen, erfreue und beſelige. In Waldkirch eingehend, hatte Gottrath das Pfarrhaus aufgeſucht, und gemeint, darinnen ein holdſelig vaterfreund⸗ liches Geſicht zu finden: den wackern Pfarrherrn Claus Dietſchi der ſein Pfleg⸗ und Ziehvater geweſen. Aber leider ſtatt des wohlehrwürdigen Mannes war dem jungen Wanderer ein neid⸗ gelbes und gallengrünes Antlitz entgegengekommen: das des Pfarrverweſers Auguſtin Reitwohl, welcher Auguſtin dem An⸗ klopfenden mürriſch gemeldet, daß der Pfarrer auf einer Wall⸗ fahrt gen Rom begriffen und daß er, der Verweſer, nicht gewillt ſei, einem hergelaufenen Fremden, der ihm unbekannt, etwelche Gaſtfteundſchaft zu ſpenden. Worauf dem guten Gott⸗ rath mit einem unfreundlichen Gotthelf die Thüre vor der Naſe zugeſchlagen, und er ſich ſelber überl aſſen wurde. Obgleich er ſolchen ſchnöden Empfang und Abſchied ſich übel zu Herzen nahm, ſo überlegte doch Gottrath, daß auf ſeiner weiten Fahrt durch vieler Herren Länder nicht ſelten ihm ähn⸗ liche Begegnung geworden; und immer wieder habe ihm der Herr alles Lebens aus Trüb⸗ und Drangſal geholfen. Darum werde er auch jetzo nicht ſtecken bleiben in Armuth und Hülf⸗ loſigkeit, und wohl noch mit Gottes Beiſtand die Zeit zu des Pfarrers Heimkehr überwinden können. Hierauf war er friſch und fröhlich in eine in