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die dampfenden, Wohlgeruch duftenden Braten aus der Küche des Blumenſtocks waren nicht allein die Zauberdinge, die das Gedränge von Gäſten hinzogen; auch nicht war es der Reiz der ſchönen Kellerdienerin Aenneli, deren ſüßes Wort und holder Blick bald aufhören ſollten, ein Gemeingut zu ſein. Auch nicht die Gelegenheit des luſtigen Würfelſpiels lockte ſo mächtig an. Es war die Himmelstochter Muſika, im deut⸗ ſchen Volk ſtets wohlgelitten und vielgeſucht, die den Blumen⸗ ſtock in einen Bienenſtock voll fröhlicher Zecher und Zuhörer und Sänger verwandelte.
Sie hatte in ſelbigen Tagen zu Waldkirch einen würdigern Dolmetſch gefunden, als nur den Singmeiſter an der Pfarr⸗ kirche, oder den Thurmbläſer vom Kaſtelberg, der hie und da mit ſeinen Trompetergeſellen und Stoßpfeifern herniederſtieg zur Stadt, um den Jungen und Alten einen Tanz aufzuſpie⸗ len. Es war nemlich vor einiger Zeit ein junger Mann in Waldkirch eingewandert, ein Stück von einem fahrenden Schü⸗ ler, der dahergekommen von irgend einer Hochſchule in deut⸗
ſchen oder wälſchen Landen. Sein Rock war ſchwarz, aller⸗ dings nicht ſorglänzend ſchwatz und weich wie ſein lockiges Haupthaar, wie ſein ſchmucker Bart, der ſo herzig paßte auf ſein wohlgefärbtes, wohlgeſchnittenes Antlitz von fünf und
zwanzig Jahren, unter deſſen hoher Stirn ein paar Augen ſaßen, die noch ſchwärzer waren, als des Schülers Bart und Haupthaar, und leuchtend dabei, wie der koſtbare Stein Kar⸗ funkel leuchtet aus dem düſtern Schacht, worinnen ihn die wilden Bergmännlein hüten.
Des Schülers, der Gottrath hieß, Gepäcke war ſchmal


