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Band 1 (1847) Band 1
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Feilenhauer und Senſenſchmied, von ehrlichen Eltern geboren und von einigem Hab und Gut, ein hübſcher trutzig drein⸗ ſehender Burſche, aber leider frühzeitig verwaiſt, und ſowohl in Heimath als Fremde nicht mit den beſten Geſellen verkeh⸗ rend. Der wollte zu Waldkirch ſein Meiſterrecht antreten, und zur gleichen Friſt Hochzeit halten. Das Aenneli im Blumen⸗ ſtock hatte ihm trefflich in die Augen geſtochen, und war ihm, obgleich Heinz Pfenninger allerlei Bedenken gegen den vor⸗ geſchlagenen Tochtermann nicht verheben mochte, von Urſe ngch kurzem Vorſchlag zugeſagt worden. Der Wille der Frau wurde allerdings bald ihres Mannes Wile, und Aenneli ſchier nicht um den ihrigen befragt. War es nun der blinde Gehorſam gegen den lieben Vater, oder war's die Sehnſucht, die Freiheit einzutauſchen gegen das Joch der Stiefmutter, wo⸗ von Aenneli beſeelt war, da ſie, ohne dem Feilenhauer be⸗ ſonders günſtig zu ſein, ihr Jawort zu der Eltern Rathſchlag und Colman's Werbung gegeben?

Colman war alſo Bräutigam, Aenneli ſeine Braut, und die wenigen Wochen, die noch zu vergehen hatten, bis die Zunft den jungen Mann als Meiſtergenoſſen aufnehmen, und am ſelben Tag der Prieſter über ihn und Aenneli den Segen ſprechen würde, ſollten möglichſt heiter hinfließen, und daher drängten ſich allabendlich im gaſtlichen Blumenſtock luſtige Freunde und Nachbarn, daß kein Tiſch leer blieb, und wer da wiſſen wollte, was in Waldkirch an Scherz und Si ſei, mußte eingehen in Pfenningers Haus.

Der kühle Wein, benachbarter Rebenhügel töſriches Er⸗ zeugniß, der ſüße Meth, den Weibern beſonders wohlgefüllig,