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ihm Frau Urſe, wie das leichtlich von jungen zweiten Frauen geſchieht, das Neujahr abgewonnen. Wann ſie nicht guter Laune, war auch der Mann nicht mehr wohlgemuth, und vor ihrer Hitze und Drohung und Machtgeberde hielt ſeine Rüſtig⸗ keit nicht aus.
Dafür hatte er eine Tochter erſter Ehe, das wunderſchöne Aenneli, das leibhaftige Ebenbild ſeiner erſten Hausfrau, das mit kindlicher und gehorſamer Zärtlichkeit an ihm hing, und ihn nach manchem häuslichen Kampf erquickte durch ſtille Lieb⸗ freundlichkeit.— Aenneli's Bruder, der ſchlanke Heigj, ein Faßbinder von Handwerk, liebte ſeinen Vater, wie däs Aen⸗ neli; nur konnte er das nicht ſo recht von ſich geben.
Darinnen ſtimmten indeſſen beide Geſchwiſter überein, daß ſte die Stiefmutter nicht ſollig gern hatten,*) dieſes aber den Vater nicht merken ließen, damit ihm nicht zu Zeiten das Herz ſchwerer würde.
Dieſes Schweigen wurde am läſtigſten dem ſchönen Aen⸗ neli; erſtens, weil es ein Mädchen, das die Zunge auf dem rechten Flecke hatte; zweitens, weil Aenneli unter der Willkür der Frau urße mehr litt, als ſelbſt ihr Vater. Nicht nur hatte die Simonswälderin gleich nach den Flitterwochen ihres Ehebundes angehoben, ihre Stieftochter recht eigentlich zu ver⸗ folgen und übel zu behandeln; ſondern auch war ſie alsſobald bedacht geweſen, ein Mittel zu finden, das arme Aenneli aus dem Hauſe zu entfernen.
Da war im Ort ein gewiſſer Colman Brägenauer, ein
Nföllig= ſehr.


