222 Eine Wallfahrt zu den klaſſiſchen Stellen des Vierwaldſtädterſee's.
Beckenried und dann, wo ſich das Ufer zu ſenkrechten Felſen geſtaltet, über Emmatten und den Sonnenberg herüber gekommen. Da hätte dann Meier von Sarnen bei ſo bequemem Weg gut zu ſagen gehabt:
„—— s' iſt noch kein Landsmann da, wir ſind
„Die Erſten auf dem Platz, wir Unterwaldner.“
Mir dagegen wollte viel wahrſcheinlicher bedünken, der jugendliche, von der landenbergiſchen Polizei verfolgte Verſchwörer Melchthal habe den ſchwierigern und abenteuerlichern, aber heimlichern Weg vom Engelberger⸗ thal her über den Schöneckpaß, zwiſchen dem Urirothſtock und Bauen durch und das Iſenthal hinab eingeſchlagen.— Was dann die Urner betrifft, die „am längſten ſäumten,“ ſo mußten ſie
„——— weit umgehen durch's Gebirg, „Daß ſie des Landvogts Kundſchaft hintergehen—
Auf der Mauer rühmt vom Pfarrer Röſſelmann, daß er nicht ſcheute
„Des Weges Mühen und das Grau'n der Nacht.“
Von Altdorf her dem Weg über Seedorf folgend, meinte ich, müßten ſie freilich einen ſteilen Weg aufwärts, um nach Iſenthal zu gelangen; von da gings dann nach Bauen hinunter, um bald wieder bergaufwärts zu klettern, bis ſie endlich vom Sonnenberg mit ihren Windlichtern über die Felſen herunter geſtiegen kamen. Die Unterwaldner hätten aber trotz alledem den ſchwierigern Weg gehabt, ſelbſt dann, wenn ſie, wie der Doector behauptete, der Landſtraße nach über Buochs und Beckenried gegan⸗ gen ſeien. Dieſe wohlbegründete Anſicht wollte jedoch mein Wiverpart durchaus nicht gelten laſſen.„Da hätten ja die Urner ſich ganz einfach auf ihre Naue ſetzen und herüberrudern können gleich den Schwhzern, wäre es ihnen nicht daran gelegen geweſen, Geßlers Söldner zu täuſchen. Es ſcheine ihm durchaus nicht unwahrſcheinlich, daß ſie mit ſammt ihrem Pfarrherrn um den Urirothſtock herumgegangen ſeien,—
„Durch der Surennen furchtbares Gebirg, „Auf weitverbreitet öden Eiſesfeldern, „Wo nur der heiſre Lämmergeier krächzt.“
Im Kloſter Engelberg, wo Röſſelmann ohne Zweifel gut bekannt und wohl angeſehen geweſen, wäre den dreizehn Männern von den Mönchen aus dem Kloſterkeller eine Erfriſchung gereicht worden, worauf ſie endlich jenen Weg über den Schöneckpaß eingeſchlagen hätten, der von mir irrthüm⸗ licher Weiſe den Unterwaldnern als Marſchroute angewieſen worden ſei.—
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