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Von Alfred Hartmann.
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„Den Fels erkenn' ich und das Kreuzlein drauf; „Wir ſind am Ziel, hier iſt das Rütli.“ „Eine Wieſe von hohen Felſen und Wald umgeben. Auf den Felſen „ſind Steige mit Geländern, auch Leitern.— Im Hintergrunde zeigt „ſich der See.— Den Proſpekt ſchließen hohe Berge, hinter welchen „noch höhere Eisberge ragen.“— So beſchreibt Schiller die Scenerie, ähn⸗ lich genug für Einen, der ſie nicht ſelbſt mit Augen geſehen. Trotz dem geht es gewiß den meiſten, welche das Rütli zum erſten mal betreten, wie meinem Knaben,— ſie finden ſich getäuſcht, ſie haben ſich das„Gelände am See“ viel wilder und grofartiger vorgeſtellt. Die grüne Bergmatte ſanft gegen den See abgedacht und mit Obſtbäumen bepflanzt,— zur Rechten etliche braune ſchindelbedeckte Häuſer mit kleinen Blumengärtchen,— hinter den⸗ ſelben eine waldbewachſene Bergwand und auf der Höhe die Kuranſtalt „Sonnenberg“ mit ihren hellgetünchten Mauern und glitzernden Fenſtern; dies alles macht mehr den Eindruck des Freundlichen und Heitern, beſon⸗ ders wenn die Morgenſonne ihr klares Licht darüber ausgießt,— während wir uns die Stätte, wo zu nächtlicher Stunde der Schweizerbund geſchwo⸗ ren wurde, eher als eine Art von Wolfsſchlucht vorzuſtellen gewohnt ſind. An der Stelle, wo die dreiunddreißig Männer von Uri, Schwyz und
Unterwalden den Schwur ſprachen:
„Wir wollen ſein ein einig Volk von Brüdern!“
da ſind drei Quellen entſprungen, jede mit verſchiedenem Waſſer. Die In⸗ duſtrie der Neuzeit hat darüber einen Schuppen gebaut, und wer die drei Brunnen ſehen und von ihrem Waſſer koſten, wer den Boden betreten will, der die Sohlen Stauffachers, Fürſts und Melchthals berührte, der muß ſich die Thüre gegen Entrichtung eines Trinkgeldes aufſchließen laſſen. Begreiflich findet ſich im Schuppen auch ein Fremdenbuch, in welchem der Beſucher ſeinen Namen verewigen und ſeine begeiſterten Gefühle in Reimen oder Proſa der Nachwelt überliefern kann.
Nicht lange, ſo war ich mit dem Doctor in eine lebhafte Polemik ver⸗ ſtrickt. Den Weg, welchen Stauffacher mit ſeinen Leuten zu machen hatte, um nach dem Rütli zu gelangen, den waren wir eben ſelbſt gekommen, nämlich über den See von Brunnen her. Aber welche Pfade hatten Melch⸗ thal mit den Unterwaldnern und Walter Fürſt mit den Männern von Uri verfolgt? Das war hier die Frage. Der Doctor behauptete, erſterer ſei ganz gemächlich von Stans her über Buochs, von dort den See entlang über


