454 Schilderungen aus Spanien.
Finſterniß wegen von dem vor uns liegenden Terrain nicht viel erkennen und mußten nur froh ſein, ohne zu ſtürzen, wenn auch beſtändig ſtolpernd, das vor uns liegende Ackerfeld zu paſſiren, welches von den tiefen Geleiſen der Straße durchſchnitten wurde, entgegengeſetzt aber von der Pflugſchaar aufgeriſſen war. Bald übrigens graute der Tag im Oſten und der klare ſternfunkelnde Himmel über uns verſprach einen guten Tag. Wir zogen emporſteigend dem Sonnenaufgange entgegen und erfreuten uns an der tiefen glühenden Röthe, welche hier dem ſtrahlenden Geſtirn voranflog und die größere Hälfte des Himmelsgewölbes bedeckte. Vor uns zeichnete ſich die Helle ſcharf ab zwiſchen maleriſch ineinander geſchobenen Bergen, deren tiefe Thäler, vorhin noch in wechſelnden Schatten vom Schwarz zum Grau, von dieſem zum Violett, ſich nun plötzlich mit rother Gluth ausfüllten. Es ergriff uns eine wahrhaft feierliche Stimmung, als wir zugleich mit der Sonne immer höher und höher ſtiegen, und es war uns, als hätten wir uns mit ihr auf der Bergkette droben ein Rendezvous gegeben, eine Zuſammen⸗ kunft, in welcher ſie uns viel Schönes erzählen würde von dem, was ſie geſtern in der Heimat bei unſern Lieben geſehen. Der geſtrige belebte Tag war zu ſolchen Berichten nicht geeignet, aber die einſame Stille des frühen Morgens zu dergleichen freundſchaftlichen Mittheilungen beſonders geſchaffen.
Jetzt ſchoß der erſte Sonnenſtrahl über die vor uns liegenden Berge daher, zitternd und flimmernd, einen gewaltigen Regen von Silber und Gold, von Brillanten und farbigen Evelſteinen, die ſich an Aeſten und Gräſern feſthingen, um uns her ausbreitend. Der Boden zu unſern Füßen flammte glühend auf und war zu gleicher Zeit wunderbar ſchattirt, denn jede Erhöhung, jedes kleine Steinchen, vorn vom Lichte hell beſtrahlt, warf hinter ſich einen langen, dunklen Schlagſchatten. Wahrhaft nächtlich und geſpenſtig erſchienen unſere Schatten und die unſerer Pferde, die lang⸗ geſtreckt hinter uns dreinzogen und uns auf die ſchauerlichſte Art karrikirten.
Die erſte Bergkette hatten wir erſtiegen und ſahen parallel mit dieſer eine zweite höhere, durch ein tiefes, aber nicht ſehr breites Thal von uns getrennt. Das Terrain hier oben war rauh und kahl; ſpärlich wuchſen Sträucher und kleine Steineichen zwiſchen den ſchieferfarbigen Felſen, von ganz eigenthümlich durch einander geworfenen Formen. Man ſagt, in der Nähe des Paſſes, auf dem wir gerade ritken, befinde ſich noch vollkommen erkennbar ein ausgebrannter Vulkan, eine Angabe, die ganz und gar zu dem


