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Von F. W. Hackländer. 453
ſahen wir deutlich an ihren Kleidern, welche ſich genau in demſelben Zu⸗ ſtande befanden, wie Abends vorher. Unſere Rechnung war größer als an. den vorhergehenden Tagen, und ſo verließen wir denn noch ziemlich ſchlaß⸗ trunken und mißmuthig die Fonda und klepperten durch die öden Gaſſen Almagro's. Der Himmel war klar und ſternenhell und die Kälte ſo groß, daß der Boden hart gefroren war. Wenn ich bei dieſen unſeren Touren zu Pferde ſaß, ſo war es mein erſtes Geſchäft, ſämmtliches Gepäck, Waffen und alle Gegenſtände zu unterſuchen, die ich bei mir trug, ob ich nichts zurückgelaſſen. Dies hatte ich heute Morgen vergeſſen, mich feſt in meine Manta gewickelt, und trabte, die brennende Cigarre im Munde, verdroſſen und ſchweigend über das nächtliche Feld dahin, Horſchelt machte es ebenſo, und Filippo, den die Bepackung ſeines Maulthiers aufgehalten hatte, kam hinter uns drein. Auf einmal rief er uns zu, wir möchten einen Augenblick halten. Ich wandte mein Pferd um und ſah ſogleich, daß uns vom Stadtthore her jemand eiligſt nachlief und zuweilen rief. Wir ritten zurück, der ankom⸗ menden Perſon entgegen, und ſahen, daß es der arme Miſtkäfer war, der mir meine Geldtaſche brachte, die ich im Zimmer liegen gelaſſen hatte. Ich habe dieſe Thatſache als einen Beweis der großen Ehrlichkeit, die über⸗ haupt unter dem ſpaniſchen Volke zu finden iſt, unmöglich verſchweigen können. Die Verſuchung war gewiß groß für das arme Mädchen, denn wenn ich auch keine Reichthümer bei mir trug, ſo führte ich doch in unſerer gemeinſchaftlichen Reiſekaſſe mehr Gold, als die ehrliche Finderin in ihrem ganzen Leben zu verdienen hoffen durfte. Daß wir ſie großmüthig belohn⸗ ten, verſtand ſich von ſelbſt; erhielt ich doch meine Geldtaſche wieder und zu gleicher Zeit eine ziemliche Strafpredigt meines langen Malers, der ſich recht lebhaft die Folgen eines ſolchen Verluſtes ausmalte. Dieſer Vorfall hatte übrigens das Gute, daß er unſere üble Laune brach und wir von da angenehm plaudernd vorwärts gingen,— gingen im wahren Sinne des Wortes, denn die Kälte des Morgens war ſo empfindlich, daß wir nur gehend im Stande waren, unſere erſtarrten Füße etwas zu erwärmen. Almagro liegt in der früher erwähnten Ebene, doch eine halbe Stunde von dem Orte entfernt fängt das Terrain ſchon an zu jener Berg⸗ kette aufzuſteigen, die mit der Sierra de Alcaraz zuſammen hängt, und die wir während des geſtrigen Rittes in ihren eigenthümlich gezackten Formen beſtändig vor Augen hatten. Bei unſerem Ausritte konnten wir der tiefen


