452 Schilderungen aus Spanien.
prächtige dicke Maſſe von Valencia und den Poſaden aus der Mancha, deren fingerdicken Rahm man mit dem Löffel abſchöpfte und dieſer dann doch noch in dem übrigen faſt aufrecht ſtehen blieb. So ändert ſich alles in dieſer Welt, aber was half unſer Klagen? wir machten dadurch die Köchin nicht reinlicher und die Chokolade nicht dicker. Intereſſant war uns ein großer, ſehr alter, meſſingner, dreiarmiger Leuchter, welcher unſerem Souper leuchtete; dieſer hatte nämlich oben auf der Spitze den kaiſerlich öſterreichi⸗ ſchen Doppeladler, wohl kunſtlos gearbeitet, aber nicht zu verkennen. Ob⸗ gleich man denſelben in Spanien an faſt allen Gebäuden aus der Regierungs⸗ zeit Karls v. häufig findet, ſo überraſchte es uns doch eigenthümlich, ihn an einem Hausgeräth zu finden, doch fanden wir es angenehm, das bekannte, liebe Wappenzeichen hier vor uns zu ſehen.
Die ganze Fonda mit ihren ziemlich großen Gebäuden hatte dabei etwas ſo Oedes und Unheimliches, daß wir zum erſtenmal unſere Thüre zu verriegeln ſuchten und vor Schlafengehen die Gewehre neben uns lehnten und die Meſſer unter dem Kopfkiſſen verbargen. Morgen alſo ſollten wir Valdepeñas erreichen und dort unſere Freunde wiederfinden; ich ſage Freunde, denn neben unſerem Reiſegefährten, Baumeiſter Leins, hatten uns noch ein paar liebe deutſche Bekannte aus Madrid, Herr Steinfeld und Herr Weiß, am Fuß der Sierra Morena Rendezvous gegeben, um mit uns durch den herrlichen Gebirgspaß zu ziehen.
Schon öfters während der langen Ritte der letzten Tage hatten wir uns dieſes Zuſammentreffen auf's Lebhafteſte und Freundlichſte ausgemalt, und beſchloſſen, wo möglich den Freunden zuvorzukommen und ſie mit einem Glaſe des vortrefflichen Weines, der dort wächst, des beſten ſpaniſchen Landweines— in der ſchönſten Valdepeñas⸗Laune zu empfangen. Da wir aber von Almagro dorthin noch eine Strecke von circa acht Leguas hatten, beſchloſſen wir, noch vor der Morgendämmerung aufzubrechen, was auch dem edlen Filippo recht angenehm zu ſein ſchien, denn da er uns in Valde⸗ peñas verlaſſen ſollte, ſo hoffte er, an demſelben Tage mit ſeinen Thieren noch eine gute Strecke des Heimwegs zurücklegen zu können.
Es war noch finſtere Nacht, als er uns weckte, kaum drei Uhr, und ſogar in unſerem Schlafzimmer recht empfindlich kalt. Wir kleideten uns haſtig an, und erhielten unſere Chokolade durch den Miſtkäfer, den Filippo ebenfalls zu ſo guter Stunde von ſeinem Strohſacke aufgejagt. Daß dieſe edle Spanierin in ihrem vollſtändigen Anzug zu Bett gegangen ſein mußte,


