Jahrgang 
1855
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Von F. W. Hackländer. 455

Charakter der Gegend paßte. Die Erde rings umher iſt ſchwarz, und wenn man auch die Spuren von bearbeiteten Feldern ſieht, ſo ſind dieſe wahrhaft woſtlos mit dichtem Steingeröll überſät. Unſer heutiger Weg ſchien nicht ſo wie der geſtrige durch den Zufall angelegt zu ſein, ſondern man ſah wohl, daß hier Menſchenhände thätig geweſen waren und ihm ſeinen Lauf vor⸗ gezeichnet hatten. Daß er ſehr ſteil abwärts führte, daran waren die ſchroffen Bergwände ſchuld, und da wir in Spanien reisten, wunderten wir uns weiter nicht über die großen und kleinen Felſen und Steine, die von den Höhen herabgerollt waren und ruhig mitten im Wege lagen.

Filippo gönnte uns übrigens keinen langen Spaziergang, denn auf der Höhe angekommen, ermahnte er uns aufzuſteigen und ſchneller zu reiten. Er ſchien große Eile zu haben, nach Valdepeñas zu kommen; dabei fing er ſein vorgeſtriges Manöver wieder an und erſuchte uns, die Gewehre in Be⸗ reitſchaft zu ſetzen, da dieſer Bergpaß ebenfalls einer der verrufenſten von ganz Spanien ſei. Doch hatten wir nicht die mindeſte Luſt, uns mit dem Selbſttragen der Waffen zu beſchäftigen, indem wir auf dem auferordentlich holperigen Wege alle unſere Aufmerkſamkeit der Führung der Pferde zu⸗ wenden mußten, die jeden Augenblick ſtolperten, Horſchelt's Pferd ſtürzte einmal heftig auf die Knie nieder, ſprang aber glücklicher Weiſe im nächſten Augenblick wieder auf, ohne ſeinen Reiter abzuwerfen.

Jetzt hatten wir das Thal durchritten und ſtiegen an der zweiten Berg⸗ kette in die Höhe. Mit jedem Schritte wurde übrigens die Gegend wilder und großartiger, und als wir auf der Höhe angekommen waren, hielten wir mit einem Ausruf der Verwunderung an. Vor uns hatten wir eine der maleriſchſten Schluchten, die eine kühne Phantaſie nur erfinden kann; wie Couliſſen ſchoben ſich mehrere hundert Fuß hohe Felſen ſenkrecht und ſcharf gezackt ſo in und durch einander, daß man die überaus ſteil abfallende Straße nur wenige Schritte mit den Augen verfolgen konnte. Zur Linken hatten wir einen den Pfad noch überragenden halbrunden Berg, der uns die Ausſicht ſperrte, rechts dagegen lagen die Felszacken teraſſenförmig unter einander und ſchloſſen ſich in weiter Ferne ſcheinbar an ein majeſtätiſches Gebirge, welches in prächtigen Umriſſen und faſt ſchwarzer Färbung dort lag die Sierra Morena, die wir jetzt endlich und, wie wir glaubten, ziemlich nahe vor uns ſahen. Gerade vor uns den Weg und die Schlucht hinab aber war der Anblick entzückend ſchön; tief unten ſahen wir das Ende dieſes

Bergpaſſes ſcharf begränzt durch zwei rieſenhafte Felswände, zwiſchen denen