Jahrgang 
1855
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450 Schilderungen aus Spanien.

das häufige Vorkommen ſolch großer, durch ihre Bauart nicht ſelten den beſten Zeiten der ſpaniſchen Architektur angehörender, aber unbewohnter, ver⸗ ödeter und unheimlicher Gebäude, welche beſonders dazu beitragen, vielen jener Städte ihren ernſten, düſtern, aber eben deßhalb impoſanten, geheimniß⸗ vollen, die Phantaſie vielfach beſchäftigenden Charakter zu geben. Es ſind dies Wohnungen, zum Theil Stammhäuſer und Majoratsſitze adeliger Geſchlechter, deren Beſitzer aber ſchon ſeit Jahrhunderten zum größten Scha⸗ den des Landes in den Kreiſen der Hauptſtadt und den Intriguen des Hofes ſogar auch das Andenken an die würdige, wohlthätige Stellung verloren haben, die ſie inmitten ihrer Beſitzungen behaupten könnten; kaum daß der Tod des Vaters den Sohn auf wenige Tage und vielleicht zum erſten⸗ und letztenmal in die Wohnung ſeiner Vorfahren führt, um die Huldigun⸗ gen ſeiner Vaſallen, die Ehrfurchtsbezeugungen der großen Anzahl auf mancherlei Weiſe von einem alten, reichen Geſchlechte abhängiger Menſchen anzunehmen, deren Wohl und Weh nachher gewiſſenloſen Geſchäftsfüh⸗ rern und Advokaten überlaſſen bleibt. Auch an freundlichen Häuſern und zierlichen Gärtchen ritten wir vorbei, die wohlgepflegt erſchienen und mit eiſernen Gittern abgeſperrt waren. Endlich kamen wir auf den Hauptmarkt der Stadt, einen großen viereckigen Platz, rings mit Häuſern umgeben, deren unterer Stock aus Arkaden beſtand, in welchen ſich kleine Läden und Boutiken befanden. Daß wir uns dem Süden wieder näherten, ſahen wir an großen Haufen Orangen und Granatäpfeln, die hier aufgeſchichtet waren.

Statt der geſtrigen und vorgeſtrigen Poſada führte unſer heutiger Gaſthof den Namen Fonda und beſtand aus ein paar großen, um einen Hof gelegenen Gebäuden, welche oben eine offene Gallerie hatten, von wel⸗ cher aus man in die verſchiedenen Zimmer gelangte. Anfänglich glaubten wir, hier endlich einmal ein behagliches Unterkommen zu finden, als uns aber ein zerlumpter Kerl, halb Hausknecht, halb Moſſo, die beſten Gemächer des Hauſes zeigte und ſich ſonſt keine Seele in dieſemHotel um uns be⸗ kümmerte, vermißten wir ſchmerzlich unſere Poſaden der vorigen Tage mit ihrer gemeinſchaftlichen Küche und ihrem ganzen patriarchaliſchen Weſen, beſonders den herzlichen Empfang ſämmtlicher Hausbewohner bis zu den Hunden hinab, die uns ebenfalls mit freundlichem Schweifwedeln bewill⸗ kommt hatten, während hier vor der Thüre eine knurrende Beſtie lag, die der Moſſo erſt mit einem Fußtritt entfernen mufßte.

Man wies uns zwei Gemächer an, eine Art Vorzimmer mit einem