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Von F. W. Hackländer. 449
benachbarten Acker ganz allein umher, wobei er aber beſtändig ausſchlug und von ſich ſtieß, als müſſe er ſich eine ganze Menge unſichtbarer Gegner vom Leibe halten; hierauf verfiel er dann wieder in ſeinen kleinen Hunde⸗ trab, und das wartete der boshafte Bock ruhig ab, um dann ſeine Belei⸗ digungen ſogleich wieder auf's neue zu beginnen.
Die ganze Schaar, Alt und Jung, intereſſirte ſich für dieſes Kampf⸗ ſpiel und feuerte unter immerwährendem Lachen bald den Eſel, bald den Bock an; dies trieben ſie ſo fort, bis wir nach einer kleinen halben Stunde Almagro dicht vor uns liegen ſahen. Von außen gewährte dieſer Ort ein ungleich ſtattlicheres Ausſehen als unſer früheres Nachtquartier und präſen⸗ tirte ſich als eine hübſche Stadt mit einer bedeutenden Kirche und empor⸗ ragenden Gebäuden verſchiedener Art. Wir wünſchten unſern Begleitern einen guten Abend, der freundlich erwidert wurde, und trabten ſchneller vorwärts, um unſer heutiges Reiſeziel zu erreichen, wurden aber dicht vor dem Eingang in die Straße noch einige Augenblicke durch einen Leichenzug aufgehalten, der uns entgegenkam und von einer Muſik begleitet war, wie ich nie etwas Aehnliches gehört. Dem Zuge voraus ſchritt nämlich ein Mann mit einem Bombardon, dem ſechs Sänger folgten, welche in ziemlich kunſtloſer Weiſe einen Pſalm vortrugen, zu welchem beſagtes Bombardon in den tiefſten und rauheſten Tönen den Grundton angab. Etwas Roheres und Ohrenzerreiſſenderes erinnere ich mich nicht gehört zu haben; ja es machte trotz der ernſten Handlung einen wahrhaft komiſchen Eindruck, auch konnte man in Verſuchung kommen, ſich ein paar Jahrtauſende zurückver⸗ ſetzt zu glauben, wo allenfalls die Druiden einen ihrer Mitbürger auf ähnliche Art zur letzten Ruheſtätte geleitet haben würden. Dabei blies der Muſikant mit aller Kraft ſeiner Lunge, und als wir ſchon zwiſchen den Häuſern von Almagro ritten, hörten wir noch einzelne der tiefen und brummenden Töne des Bombardons.
Almagro iſt ziemlich bedeutend, hat 8000 Einwohner, 2 Pfarr⸗ kirchen, einige Klöſter, und hier war früher die Reſidenz der Großmeiſterin der Damen des Ritterordens von Calaträva; die Straßen des Städtchens ſind breit, gepflaſtert, aber ſie lagen einſam, ohne alles Leben; mitunter
ſahen wir große ſtattliche Häuſer von zwei bis drei Stockwerken, ganz von Stein, die Fenſter mit kleinen eiſernen Balkons verſehen, mit mächtigen Ein⸗ fahrten, über denen ſich in Stein gehauene Wappen befanden. Zu den auffallenden Zügen, die dem Reiſenden in Caſtilien entgegentreten, gehört Hansblätter. Jahrg. 1855. I. Bd. 29


