448 Schilderungen aus Spanien.
aber höchſt Maleriſches gab. Die meiſten der Weiber und Mädchen trugen Krüge auf den Schultern, ähnlich den alten Amphoren. Obgleich ſie wahr⸗ ſcheinlich den ganzen Tag nach ſpaniſchen Begriffen ſtark gearbeitet hatten, waren doch Alle luſtig und guter Dinge, ein alter Mann auf einem grauen Eſel riß unbarmherzig in die Saiten ſeiner Guitarre, dazu knackten ein paar junge Burſche mit den Caſtagnetten und ſangen eins der andalu⸗ ſiſchen Lieder, ſo ſeltſam klingend für ein fremdes Ohr, von denen man anfänglich glaubt, ſite haben alle die nämliche Melodie, was wohl daher kommt, daß die Wendungen am Schluſſe in der That faſt immer die gleichen ſind, und welche Vaterland und Abſtammung ebenſowenig zu verleugnen ver⸗ mögen als ein großer Theil des ſüdſpaniſchen Volks ſelbſt. Wie oft glaubte ich zu träumen, ſowie ich die Klänge jener Lieder, namentlich aus weiblichem Munde, vernahm, und wenn ich die Augen ſchloß, fühlte ich mich lebhaft
zurückverſetzt nach Damaskus, wo an ſchönen Abenden, wenn wir auf der
Terraſſe unſeres Hauſes wandelten, die Stimmen unſichtbarer Sänger ſich in gleichen melancholiſchen Tönen ebenſo tremulirend wie hier vernehmen ließen.
Aber wir ſind ja in Spanien, wo der Ernſt eines ſolchen Liedes gleich wieder gemildert wird durch neckiſche Seguidillas(Zigeunerliedchen), die nur dem Volke hier eigen ſind und allenfalls mit den öſterreichiſchen Schnaderhüpferln in Rythmus und Melodie verglichen werden können. An Beweglichkeit und Scherz übertreffen die Nachkömmlinge ihre Vorfahren in vieler Hinſicht, und wenn der Orientale ſelten aus ſeinem Gleichmuthe heraus⸗ kommt, ſo iſt die geringſte Kleinigkeit im Stande, den ſüdlichen Spanier zu erfreuen. So trieben ſich heute Abend bei unſerer Begegnung an der Spitze des Zuges der Landleute ein Eſelfohlen und ein kleiner ſchwarzer Bock mit einander herum, welche bald das Ziel der allgemeinen Aufmerkſamkeit wur⸗ den und Guitarre, Caſtagnetten und Geſang verſtummen ließen. Es gab aber auch nicht leicht etwas Poſſierlicheres, als wenn der kleine Eſel mit ſeinem gravitätiſchen Weſen, den ſchweren Kopf bedächtig auf⸗ und ab⸗ nickend, dahinſchritt und ihn nun der Bock in den ausgelaſſenſten Sprün⸗ gen ſo lange angriff, bis ſein geduldiger Gegner begann, den Kopf zwiſchen die Vorderfüße zu ſtecken, hinten auszuſchlagen und endlich in den unbehülflichſten Courbetten davonſprang. Ja, wenn er auf dieſe Art in Bewegung geſetzt war, ſo konnte er gar nicht mehr zur Ruhe kom⸗ men und tanzte unter dem ſchallenden Gelächter aller Zuſchauer auf dem
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