Jahrgang 
1855
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446 Kauffahrtei⸗Kadetten. Von Heinrich Smidt. See geleiten, ſie werden auch den Geiſt, der in ihnen wohnt, ihrer Umge⸗ bung einzuflößen wiſſen, und es wird keine Schiffsjungen mehr geben, die von ihren Genoſſen gehöhnt oder wohl gar gepeinigt werden, weil ſie das Verbrechen begingen, in einem Buche zu leſen.

Es iſt ſchon ein weiterer Schritt geſchehen. Wir entbehren bis heute einer eigentlichen Seemannsſprache. Man erſchrickt über das Sprachgewirr, welches ſich entfaltet, wenn die einzelnen Beſtandtheile eines Schiffes ge⸗ nannt werden, plattdeutſch, holländiſch, engliſch, däniſch, bunt durch- und übereinander. Und nicht einmal gleichlautend iſt dies Kauderwälſch. Was auf der Eider A heißt, heißt auf der Elbe B und auf der Weſer und Jahde C und D. Wer ſoll aus dem Wirrwarr klug werden? Daher iſt es nicht genug anzuerkennen, daß der Prinz⸗Admiral von Preußen, dieſen Uebel⸗ ſtand erkennend, befohlen hat, am Bord aller preußiſchen Kriegsſchiffe ſolle das hochdeutſche Commando eingeführt werden. Dieſe Maßregel wird hoffentlich recht bald von den Verdecken unſerer Kriegsſchiffe auf unſere Kauffahrer übergehen, und dann auch bei den übrigen deutſchen See⸗ ſtaaten in Anwendung kommen. Wir ſind ja eines Namens, alſo laßt uns auch eine Sprache reden, damit deutſche Seeleute, wenn ſie ſich in fremden Ländern begegnen, einander auch verſtehen mögen.

Vor der Hand aber, ihr Herren, die ihr die Macht in Händen habt, wartet nicht auf Preußens Seeoffiziere, ſondern fangt an, nach und nach, um eures eigenen Nutzens willen, für die ſittliche und moraliſche Haltung eurer Mannſchaften zu ſorgen. Ueberall ſtehen Kajütenwächter, Deckläufer, Halbmatroſen und wie ſie ſonſt heißen mögen und halten bittend die Hände zu euch empor. Laßt ſie nicht vergebens bitten.