Kauffahrtei⸗Kadetten.
444
Bord flog oder ſonſt auf eine Weiſe verſchwand, damit die Geſchichte nur endlich vergeſſen wurde. So iſt es Gott Lob nicht mehr. Es ſind von fleißigen Sänden Samen⸗ körner ausgeſtreut und hier und da iſt die Saat, wenn auch nur ſpärlich, aufgegangen. Ich habe die meinigen nicht müßig in den Schooß gelegt; ich will ſie auch ferner rühren und fortarbeiten am großen Werk, das Allen nützt und niemandem ſchadet. Aber mit harmloſen Liedern und unterhaltenden Erzählungen iſt es allein nicht gethan. Wie Wenige von denen, welchen dieſe Schriften eigent⸗ lich nützen ſollen, erhalten ſie. Die Sache muß mit ganz andern Mitteln und von ganz anderer Seite her angefaßt werden, ſoll ſie Erfolg haben. Es gibt in England ein Inſtitut, welches die Aufmerkſamkeit der Weiterblickenden lange erregt hat. Es iſt das Kadetten⸗Inſtitut der Eaſt⸗ Indian⸗Compagnie. Die jungen Leute, welche darin Aufnahme finden, werden vollſtändig wie Gentlemen gehalten; die Matroſen betrachten ſie wie angehende Offiziere und ſie erlangen am Bord der Compagnieſchiffe ihre Ausbildung. Zwar wird auch dieſe Einrichtung— und vielleicht mit Recht— bemängelt. Sie ſei wegen ihrer Koſtbarkeit nur Wenigen zugäng⸗ lich, ſagt man; ſie verwöhne die jungen Leute und laſſe ſie, ſtatt durch die Klüſen, durch die Kajütsfenſter zu Deck ſteigen, oder man erhebt ſonſtige, mehr oder minder begründete Einſprüche. Aber es iſt doch eine Gelegenheit vor⸗ 1 handen, Knaben aus beſſeren Famlien eine ſeemänniſche Bildung zu ver⸗ leihen, ohne fürchten zu müſſen, daß ſie im Volkslogis oft unter dem Auswurfe der Menſchheit verkommen. j Hier iſt ein weites, des Anbaues wohl werthes Feld, und die 1 vielvermögenden Rheder unſerer großen Seeſtädte haben die Macht und die ſ Pflicht, Hand an's Werk zu legen. Man braucht nur zu wollen und es muß gehen. Geld wird es koſten, aber das iſt das wenigſte; der gute Wille und die Ausdauer müſſen das beſte thun. Es iſt nicht genug, daß der un⸗ geleckte Junge, wenn er an Bord kommt, den Kajütendienſt, das heißt, das lerne, was zur Aufwartung des Capitains und der Steuerleute verlangt wird. Es reicht nicht aus, daß die Deckläufer das Bramſegel feſtmachen können, daß ſie eine lange oder kurze Splitzung zu machen verſtehen und ein Leeſegelfall einſcheren können. Es gibt viele Stunden und Tage, wo es keine Bramſegel feſtzumachen gibt und keine Leeſegel zu ſetzen ſind. Jene Stunden ſind der günſtige Zeitpunkt, wo man durch mündliche Unterweiſung, durch


