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Von Edmund Hoefer. 435
handſchuhe aus und wandte ſich zu ihrem Platz in einer zweiten Fenſter⸗ niſche; Natalie hatte ihre Arbeit niedergelegt, ſich leicht in den kleinen Armſtuhl zurückgelehnt, öffnete und las: „Schloß Walden, den 26. Mai. Meine heißgeliebte Natalie!
Schon aus dieſem Aufgeben unſerer bisherigen Vorſicht und aus mei⸗ nem Schreiben an Sie, ſehen Sie, daß es eine beſondere, unaufſchiebbare Mittheilung iſt, die ich Ihnen zu machen habe.
Die Qual dieſer ewigen Ungewißheit, dieſes ewigen Harrens vermochte ich nicht länger zu ertragen, und ſo nahm ich noch in der Reſidenz vor etwa ſechs Wochen einmal eine ſtille und, wie ich dachte, günſtige Stunde wahr, meiner Mutter von unſerem Verhältniß und unſeren Wünſchen zu ſagen und ihr auf's dringendſte und innigſte alles an's Herz zu legen.
Daß ich vielen Einwürfen und zuerſt ſelbſt einem beſtimmten Abſchlag entgegenſehen mußte, hatte ich mir nie verborgen und auch in dieſer Stunde als gewiß erwartet. Indeſſen hoffte ich grade jetzt einen Eindruck auf das Herz meiner Mutter machen zu können, der mit der Zeit ſich verſtärken und allen Einwürfen die Wage halten würde, zumal dann, wenn ſie nach und nach immer mehr erkannte, wie heiß und wahr meine Liebe zu Ihnen wäre und wie ich nur ſo zu meinem wahrhaften Glück gelangen könnte.
Ich muß mich in ein trockenes und kaltes Referat hineinzwingen, da ich ſonſt gar nicht zu ſchreiben vermöchte, was ich Ihnen, meine geliebte Natalie, doch mittheilen muß.
Meine Mutter hat mir nicht nur den härteſten, entſchiedenſten Ab⸗ ſchlag gegeben, ſondern mir auch geſagt, daß ich mit der Tochter einer nahe verwandten Familie durch die beiderſeitigen Großeltern und Eltern längſt verlobt ſei und daß ich nur durch ein Eingehen dieſer Verbindung unſerem Hauſe den größten Theil unſeres jetzigen Beſitzes erhalten könne, der andernfalls dem Teſtament meiner frommen Großmutter gemäß an jene früher beeinträchtigte Familie zurückfallen müſſe. Meine Mutter und ſpäter auch mein Vater laſſen mir die Wahl zwiſchen der Befolgung dieſer unſeligen Familienbeſtimmung und ihrem Segen, oder ihrem Fluch, Natalie, und einer gänzlichen Losſagung von mir.
Stellen Sie ſich meine Beſtürzung, mein Entſetzen, mein Elend vor, geliebtes Herz! Vergeblich habe ich die Eltern bei dem Glück ihres einzigen Kindes beſchworen, bei meinem Lebensglück, das alſo auf ewig unrettbar
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