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Von Edmund Hoefer.
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Reichthum oder von irdiſcher Armſeligkeit erfüllte und getragene Weſen des Menſchen ſelbſt iſt es, das aus ihr das Glück zu ſchöpfen weiß oder mit blöden Augen und verſtaubtem Herzen ſie niemals faſſen und verſtehen lernt, das durch ihren Segen zum reichſten Leben und zur blühendſten Kraft ent⸗ wickelt wird, oder in ſeiner irdiſchen Armuth und Schwäche ihrer drängen⸗ den, gewaltigen und prächtigen Macht unterliegt. Die menſchliche Armuth erträgt von ihr nichts weiter als das Stückchen vergänglicher Leidenſchaft, die nichts vermag als außzuflackern und zu unterliegen, wenn ein widriger Hauch hineinweht.
Das vergangene Jahr war kein heiteres geweſen. Während der auf jenen Waldaufenthalt zuerſt folgenden Zeit, den Sommer hindurch und in den Herbſt hinein, war Leo allerdings noch in der Gluth der Leidenſchaft⸗ lichkeit, des ihn überſtürzenden Gefühls geblieben, das ſeltene und überaus erſchwerte Zuſammenſein hatte dazu beigetragen, ihn denſelben bleiben zu laſſen an Zärtlichkeit, Sehnſucht und Leidenſchaft, ſo wie er ſich die Ge⸗ liebte zueiſt errungen. Und er war alles, was ſie träumte, dachte und fühlte. Im Herbſt kam er dann in die Stadt, um bei dem Gericht dort zu arbeiten oder einen Curſus durchzumachen, wie dies auch bei Leuten in Ge⸗ brauch iſt, die nicht gerade im Sinne haben, ſich dieſer Carriere gänzlich zu widmen. Sie ſahen ſich jetzt öfter in der Geſellſchaft und auch im Hauſe der Räthin; der Gelegenheiten, ſich zu ſprechen, im größern Kreiſe einmal gewiſſermaßen allein zu ſein, waren doch manche. Allein innerlich ward das Verhältniß ebenſowenig wie äußerlich dadurch gefördert und weder inniger noch geſicherter. Von Leo's Seite miſchte ſich etwas hinein, was auf ein Haar einem leiſen Ueberdruſſe glich, während es Natalie nach der Wirkung, die es auf ſie ſelbſt hervorbrachte, gütig und entſchuldigend nur Niedergedrücktſein nennen mochte.
Ganz gut, ganz vertrauensvoll und ſonnig gläubig wie im Sommer blieb es indeſſen auch in ihr nicht, ſie begann an Leo zu vermiſſen, während ſie bisher nur ein volles Genügen zu finden geglaubt. Er that ſo gar nichts, um ihren Bund nur um einen Schritt zu fördern; ſie wußte nicht, wie das geſchehen ſollte, aber ſie wußte, daß es hätte geſchehen ſollen. Sie ver⸗ ſtand nicht dieſe Selbſtbeherrſchung, wie ſie es in ſich nannte, welche ihn oft ſo lange und ohne alle Noth ihr ferne hielt, welche ihn nie einer andern Unterhaltung entzog und ihn ſtets ſo unbefangen ihr nahen, ſo gleichgültig mit ihr verkehren ließ. Sie verſtand nicht die Stärke und Kraft, durch die


