Jahrgang 
1855
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258 Eine Univerſitätsgeſchichte.

rang, bis die Naturmacht ſie ganz überwältigt hatte und das Fieber ihr das Bewußtſein nahm.

So fand ſie Friedrich des andern Morgens. Er ordnete ſogleich Alles ſelbſt an, was geſchehen mußte und wich, trotz dem Befehle des Arztes nicht vom Bette der Kranken. Sie ſchien auch mitten im Fieber ihn allein von allen Umſtehenden zu erkennen, denn ſie nahm keine Arznei, wenn nicht er ſie ihr reichte, und ſah ihn in einzelnen lichten Augenblicken an, als wollte ſie ihm danken; ja einmal ſagte ſie ſogar, wie zum Troſt für ihn: Ich ſterbe nicht, aber gutes Eiſen braucht viele Schläge!

Dennoch nahm die Krankheit einen Verlauf, daß wenig Hoffnung übrig blieb und Friedrich immer betrübter wurde, als ſich eines Morgens die Kranke plötzlich aufzurichten verſuchte und mit matter Stimme Wein verlangte. Da der Arzt, an aller Rettung verzweifelnd, anbefohlen hatte, dem Mädchen jedes Verlangen, welches ſie etwa ausſprechen würde, zu gewähren, reichte ihr Friedrich ein Glas mit Wein. Sie trank zweimal, legte ſich dann zurück und ſchlummerte ein. Damit war die Entſcheidung eingetreten und der Arzt erklärte ſie gerettet, als ſie nach einem vielſtündigen Schlafe erwacht war und Friedrich die Hand entgegenzuſtrecken ſuchte.

Der treue Freund verdoppelte ſeine Sorgfalt und es war nöthig, denn die Kranke, welche jetzt erſt ihre ganze Erſchöpfung fühlte, war weich und

ſprach fortwährend vom Sterben. Sie war wie ein Kind, welches nicht

einſchlafen kann, wenn ihm die Mutter nicht ſo lange die Hand läßt; er mußte immer neben ihr ſein oder ſie fing an zu weinen; auch vermochte er alle Anſtrengung zu ertragen und jetzt um ſo leichter, weil ſeine Schweſter bei der Geneſenden die Pflege mit ihm theilte, ohne daß ihr jedoch Julchen deßhalb beſondere Aufmerkſamkeit zu ſchenken ſchien. Die Kranke ſprach ſelten und nur, wenn Friedrich allein im Zimmer war.

Trotz aller günſtigen Anzeigen und der zähen Natur Julchens nahm aber die Geneſung doch einen ſo langſamen Verlauf, daß der Arzt immer bedenklicher wurde und Friedrich mit neuen Beſorgniſſen erfüllte.

Selbſt in einer traurigen Stimmung verwunderte ſich darum Friedrich nicht, daß die Kranke eines Tages von Neuem anfing, von ihrem Tode zu reden.Ich weiß, daß ich ſterbe, ſagte ſie leiſe,wenn ich ſterbe, ſterbe ich aus Liebe zu dir. Sei ruhig antworte mir jetzt nicht, ich habe nicht mehr lange zu reden, meine Liebe zu dir war keine Feſſel; nimm auch von einer andern keine Feſſel an; ſchwöre es mir, daß du ein großer Mann