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Von A. Widmann. 259
wirſt, daß ſie zu deinen Füßen ſitzen——“ ſie wollte noch etwas hinzu⸗ ſetzen, aber die Ohnmacht kam über ſie und ſchloß ihr den Mund. Friedrich wies die Erſchütterung zurück, er faßte ſich, bog ſich über ſie, ob noch Athem in ihr ſei, und küßte ſie auf die bleichen Lippen, dann eilte er zum Arzte.
Als er aber mit dieſem wiederkam, lag Julchen abermals in einem tiefen ruh igen Schlafe und erholte ſich von jetzt an zuſehends und raſch, ſchien aber von dem, was ſie geſprochen hatte und dem, was geſchehen war, keine Erinnerung behalten zu haben.
Um ſo mehr Herzensangſt litt der arme Friedrich, je friſcher die Far⸗ ben auf dem Geſichte Julchens wiederkehrten, je hingebender und dankbarer ſie ſich für den kleinſten Dienſt erwies. Er mufßte ſich jetzt ſelbſt geſtehen, daß ſeine Seele immer zu ſeiner Couſine flüchtete, daß er dieſe und ſie allein liebe, und doch ängſtigten ihn wieder die Worte Julchens, die ihm faſt wie Prophezeihungen klangen, er fürchtete, ſich zu binden und darum ſeine Seele und ſeine Pflicht Schaden leiden zu laſſen; es peinigte ihn Julchens Treue und Leidenſchaft.
Da er ſelbſt nicht Nath wußte, wandte er ſich an einen alten Freund, einen Profeſſor der Rechte, der vielleicht im Gegenſatz zu ſeiner juriſtiſchen Anſchauung, um einen Quell in der Dürre zu ſuchen, ſich dem Chriſtenthum innig hingegeben hatte. Friedrich bereute es ſpäter faſt. Die eigenthümliche Miſchung von Härte und Milde, die in den Herzen ſolcher Männer ſich ſtreiten, befriedigte Friedrich nicht. Der Rath, welcher ihm gegeben wurde, ſich in der Stille mit ſeiner Verwandten zu verloben und dann die feſte Thatſache Julchen bei ihrer Geneſung mitzutheilen, kam ihm hart und grauſam vor. Und doch geſchah es ſo.
Julchen konnte längſt wieder im Garten ſitzen, wenn die klare Herbſtſonne ſchien, und ſo ſaß ſie auch an einem erſten Novembertag und flocht ſich ſpielend einen leichten Kranz aus den vergilbten Lindenblättern, als Friedrich an ſie herantrat und ihr liebevoll und ſchonend die Thatſache mittheilte:„Daß du natürlich für immer bei uns bleibſt,“ ſchloß er,„darüber ſind meine Braut und ich ganz einig.“.
Ohne ein Wort zu ſagen, ja ſelbſt ohne die Farbe zu wechſeln, ſetzte ſie ſich ihren vergilbten Kranz in das dunkle Haar. Dann ſagte ſie leiſe und demüthig:„Es muß ja Alles verblühen und mein Leben iſt zu Ende. Ich wußte ja wohl, daß es ſo kommen würde.— Aber freuen darüber kann


