254 Eine Univerſitätsgeſchichte.
und ſchön, wenn man Juwelen hat. Noch vor fünfzig Jahren hat das Gut deiner Verwandten meinem Großvater gehört; da wäre ich auch ſchön und gut geweſen!“
Friedrich hatte ſich bei dieſen rauhen Worten erröthend abgewandt, doch erwiderte er milde:„Du armes Kind haſt wohl Grund bitter zu ſein; vielleicht daß ich dich finden mußte, um die Unſchuldige der Rache einer alten Schuld zu entziehen.“
Sie küßte ihm die Hand und ging ſchweigend zur Thüre hinaus; ſie war einige Tage weich und bewegt, als aber der Sonnabend herankam, war ſie in ihrem Entſchluß wieder unerſchüttert. Sie beſorgte in ihrem Haus⸗ weſen nicht bloß, was Geſchäft dieſes Tages war, ſondern auch was ſie Sonntags zu thun pflegte, und eilte am andern Morgen, ſobald nur Fried⸗ rich die Stadt verlaſſen hatte, in ſtürmender Eile durch den Wald und über die Höhen, ohne einen ordentlichen Weg einzuſchlagen, nach Frohsdorf hin⸗ aus und umkreiste den Park, bis ſie endlich eine Lücke im Zaun und eine verſteckte Stelle gefunden hatte, wo ſie die Rückſeite des Hauſes und die breite Veranda deutlich überblicken konnte, unter welcher⸗ſich die Familie zur Sommerszeit zuſammenzufinden pflegte.
Ihr Heiz ſchlug laut und wollte nicht zur Ruhe kommen, wie heftig ſie auch die Hand dagegen preßte. Sie blieb ſtundenlang auf einem und demſelben Flecke ſtehen und die innere Gluth ermattete und verzehrte ſie ſo, daß ſie ſich endlich nicht mehr halten konnte und ſich niederſetzen mußte, in dem Augenblick, wo unten die Thüren ſich öffneten und die Bewohner heraustraten, weil jetzt endlich ein kühler Frühregen in großen Tropfen zwiſchen das Laub ſchlug und die Wolken immer dichter heraufzogen.
Sie hörte die Stimmen der Mädchen, ſie unterſchied Friedrichs Scherz und Lachen und doch vermochte ſie ſich nicht zu erheben; es wirbelte ihr im Sinn und ſie wandte nur halbohnmächtig das Geſicht mit geſchloſſenen Augen und offenen Lippen aufwärts, um wenigſtens ein paar Regentropfen zu empfangen.
Endlich aber raffte ſie ſich doch auf und konnte nun ihre ſcharfen Augen hinwenden. Die beiden Mädchen, mit welchen Friedrich unter der bedeckten Veranda ſaß, waren ſchön, viel ſchöner als ſie ſelbſt.— Doch entmuthigte ſie dies nicht, daß aber Friedrich, der ſtille Mann, hier lebendig redete und fröhlich war und Scherze machte, das that ihr weh zum Auf⸗ ſchreien. Ihr eigener unerbittlicher Verſtand geißelte ſie jetzt, und über ihre


