Von A. Widmann. 253
ſo klare Stimme ſeines Gemüthes mehr als einmal die Frage, was er zu thun habe? Es antwortete ihm aber diesmal nicht; er wollte das Mädchen einmal nicht verlaſſen und durfte ſie nicht verlaſſen, und der einzige Aus⸗ weg, ſie zu ſeiner Mutter zu ſchicken, ſchien unüberwindliche Schwierigkeiten zu haben, welchen ſeine kindliche Liebe aber nicht einmal in einſamer Kam⸗ mer deutliche Worte lieh. Und auch zu einer ſolchen Trennung würde er ſich nicht verſtanden haben, wenn er die traurigen Blicke bemerkt hätte, welche Julchen auf ihm haften ließ, ſobald er ſelbſt einen Dienſt verrichtete, den ſie ihm ſonſt zu thun gewohnt geweſen war.
Das Mädchen bemerkte den Riß auch gar wohl und ahnte ſchärfer als er, daß der kleine Sprung in dem klaren Krhſtall bei jedem leichten Stoß, ja durch die Zeit allein, immer größer werden müſſe, bis die ganze Freude dahin war.
Sie ſaß Nächte lang weinend auf ihrem Bette, ließ ihn aber nichts davon merken, weil ſie recht wohl wußte, daß bei einem ſinnigen Geiſtes⸗ leben, wie Friedrich es führen mußte, wenn er glücklich ſein wollte, jede Scene den Riß nur raſcher erweitern würde.
Nichts deſto weniger war ſie entſchloſſen, mit der eiskalten Heftigkeit und Eigenſucht, welche tief in ihrem Innerſten herrſchten, das Ringen und Kämpfen um ihren einzigen Schatz nicht aufzugeben, als bis ſte ganz er⸗ legen wäre.
Und vielleicht wäre noch Alles gut gegangen, wenn nicht ihre Art von Menſchenkenntniß ſie auf einen Weg verleitet hätte, welcher von allen der geführlichſte war. Sie beobachtete allerdings ſcharf, aber ſie täuſchte ſich doch oft, weil ſie Allem, was die Menſchen thaten, zu kleine und eigen⸗ ſüchtige Motive unterſchob.
So fühlte ſie auch jetzt, daß etwas zwiſchen ihr und Friedrich ſtand, ſie ſah aber nicht, daß das, was ihn beunruhigte, nur Sorge und Wohl⸗ wollen für ſie ſelbſt war, und hatte vor dem Gedanken keine Ruhe mehr, daß eine Andere ſich zwiſchen ſie und Friedrich gedrängt haben könnte.
Sie begann jetzt zu ſpioniren, und als ſie durch ein den Frauen be⸗ ſonders geläufiges Hintenherumfragen herausgebracht hatte, daß unter den Verwandten in Frohsdorf einige junge Mädchen waren, überwallte ſie vie Heftigkeit ſo, daß ihre Klugheit ſie verließ und ſie eines Abends zu Friedrich, der die Mädchen unbefangen lobte, zwar lächelnd, aber doch mit unverhehlter Bitterkeit ſagte:„Man iſt ſo leicht gut, wenn man reich iſt,


