252 Eine Univerſitätsgeſchichte.
einer Freiherrnkrone darüber eingeſtickt.„Es iſt kein Scherz“ ſagte ſie jetzt über und über erröthend;„ich habe ein volles Recht darauf, ich heiße Jul⸗ chen von Anſtett, weil mein Vater, ſo arm er war, von ſo altem Adel iſt, wie du und deinesgleichen.“
Friedrich ſtreichelte ihr die Wange, wie er es ſonſt dem Kinde gethan hatte und fing, um ſie zu beruhigen, von andern Dingen zu reden an, begab ſich aber doch bald auf ſeine Stube und ſetzte ſich an die Arbeit. Es wollte ihm aber nicht gelingen, ſich darin recht zu vertiefen. Julchen war ihm heute ganz anders vorgekommen als ſonſt, er hatte plötzlich in einen Strudel von Leidenſchaft hineingeſehen, für welchen er kein Senkblei hatte; ja ſogar ihr Aeußeres erſchien ihm verändert. Um ſich zu vergewiſſern, rief er nach einem Glaſe Waſſer; Julchen brachte es, freundlich wie immer, wie ſonſt in ihrem reinlichen, dürftigen Anzug.
Und doch hatte der zerſtreute Mann nicht unrichtig geſehen. Denn Julchen pflegte, wenn ſie ganz allein im Haus und Garten war, ihre ſchönen Kleider, die ſie ſich ſelbſt auf's Pünktlichſte gemacht hatte, anzuziehen, ſich aber immer wiever vor Friedrichs Rückkehr umzukleiden. So hatte ſie auch heute alsbald gewechſelt, nachdem ſie überraſcht worden war, und Friedrich blieb ungewiß.
Dieſer peinliche Zwiſchenfall wurde freilich nicht wieder berührt, und doch gab er beiden Herzen ganz im Stillen eine Richtung, welche ſie immer mehr auseinanderführte, wider ihren Willen, ohne ihr Zuthun.
Friedrich, der ſeither alle Dienſte von Julchen unbefangen angenom⸗ men hatte, rief ſie jetzt oft lieber nicht und ging ſelbſt, ſich ein Glas Waſſer zu holen oder ſonſt eine kleine Arbeit zu verrichten. Er hatte genug vom Geiſte ſeines Standes in ſich, wodurch ſich dieſer ſeit Jahrhunderten er⸗ halten hat, um nicht unwillkürlich ſeine Stellung zu Julchen anders auf⸗ zufaſſen, als vorher, namentlich ſeit er von der Wirthin, bei welcher er ſich jetzt näher erkundigte, gehört hatte, daß die von Anſtett noch vor fünfzig Jahren die Reichſten und Angeſehenſten in der Stadt geweſen waren, und vor der Stadt ſchöne Güter beſeſſen hatten. Nur allein der Großvater Jul⸗ chens war ein verächtlicher Verſchwender geweſen und hatte ihrem Vater nichts hinterlaſſen als einige Felder, die ihm nur erlaubten, wie ein armer Ackerbauer zu leben, und deren nothdürftiger Ertrag ihn zwang, eine neue Heimath zu ſuchen, als ſeine Familie größer wurde.
Friedrich kehrte tief ernſt in ſeinem Innern ein und ſtellte an die ſonſt
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