Jahrgang 
1855
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248 Eine Univerſitätsgeſchichte.

er in einer kleinen Stadt war, wo man natürlich in der erſten Stunde er⸗ fahren mußte, daß er Anſtett's Julchen, die nach Amerika ausgewandert war, wieder zurückgebracht hatte. Doch überwand er die unangenehme Em⸗ pfindung, welche ihm dieſer Gedanke im erſten Augenblick verurſachte und ertrug mit niedergeſchlagenen Augen den Redeſtrom der Wirthin, welche ihn ſeiner Gutmüthigkeit wegen in alle Himmel erhob.

Endlich unterbrach er ſie freundlich und ſagte:Das Quartier hätten wir; nun kommt aber ein Zweites, von dem ich noch nicht weiß, wie ich mich da herauswickeln werde. Mein Bettfaß wird zwar wohl ſchon angekommen ſein, aber ich habe ſonſt keinen Hausrath, da ich mir nicht träumen ließ, ein Logis ohne Möbel zu finden; überdies kann ja das Kind auch nicht auf dem Boden ſchlafen.

Wir ſprachen eben davon, entgegnete die Wirthin;die Sache wird ſich aber leicht machen. Seit der gnädige Herr denn wenn das Bettfaß unten in der Ausſpannung Ihnen gehört, ſo ſind Sie der Herr von Fink, ſeit der gnädige Herr ſich des verlaſſenen Kindes angenommen hat, wird alle Welt helfen wollen, die Leute ſind einmal ſo! und da bleibt Mutter Kathe, denn ſo heißen mich die Studenten gewiß nicht zurück. Ich habe es ja und kann es ja, und daß das Kind ein Bett und ein Bischen Wäſche hat, dafür will ich ſchon ſorgen und ebenſo, daß mein Gevatter Tiſchler nicht zu viel von dem gnädigen Herrn nimmt; denn gegen Freunde ſind ſie hier ſonſt ſchmutzig, ſie wollen mit Faullenzen reich werden. Komm nur her, Julchen ſie zog das verſtummte wider⸗ ſtrebende Kind an ſich heran und küßte es derb pich habe ſo keine Kin⸗ der und mein Ausſehen iſt doch ſtattlich genug, daß ich eine zweite Mutter abgeben kann. Abgemacht, Herr Baron, abgemacht! ſprach ſie wieder, als Friedrich noch Einwendungen machen wollte;gehen Sie nur in die Stube, ich habe ein waries Bier für Sie und das Kind hineingeſetzt, nach einer Nachtfahrt thut dies gar gut, für das Uebrige ſorge ich ſchon!Nein ich! rief Julchen.Du auch, ſagte ſie gutmüthig,aber geh nur erſt hinein und trink, daß du nicht mehr ſo verfröſtelt ausſiehſt.

Auch ohne die Annahme des Kindes, die bald ſtadtbekannt wurde, hätte ſich Friedrich die Theilnahme Aller erwerben müſſen durch ſeinen Namen, wie durch ſein ganzes Weſen. Er gehörte einem der erſten Ge⸗ ſchlechter des Landes an, und wenn er auch nicht ſo viel beſaß, wie dieſer Name zu verlangen ſchien, und vielleicht darum das Studium der Theologie