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der eigenen Klugheit. Was ihn traf, er nahm es hin, wie es war, er be⸗ ſtands und rang ſich durch und erzählt das einfach, ohne ſich zu verwundern, noch Bewunderung zu heiſchen. Darum wird ihm die Bewunderung deſto freu⸗ diger zu theil.— Und überall iſt er derſelbe; aus jedem Zug tritt uns ſein Bild klarer und feſter entgegen, wie wir es auf den erſten Seiten bereits geahnt, auf den letzten es voll vor uns ſehen.
Mögen unſere deutſchen Heere im⸗ merdar viele ſolcher Männer in ihren Reihen haben.
Wir wünſchen dem Buch viele Le⸗ ſer; beſonders aber empfehlen wir es unſern angehenden Schriftſtellern zur ernſten Lecture. Eins lernen ſie aus dieſem Stück Selbſtbiographie, was ihnen kein Buch beſſer gewährt: daß es keiner Knalleffecte bedarf, um Inter⸗ eſſe an einer Perſonlichkeit zu erregen — und daß der Charakter, den man zeichnen will, aus jedem Wort und Zuge gleich hervortreten muß. Dann lebt er.
Zunächſt liegt vor uns:„Die Poeſie und ihre Geſchichte. Von Karl Roſenkranz. Königsberg 1855. Wir müſſen uns in den engen Spalten unſerer Hausblätter darauf beſchränken, nur eine Anzeige dieſes neueſten, hoch⸗ bedeutenden Buchs des berühmten Ver⸗ faſſers zu bringen.— Was d. V. be⸗ abſichtigte, ſpricht er in der Vorrede aus:„eine Feſtſtellung und Sonderung der entſcheidenden Begriffe in einer kur⸗ zen und klaren Formulirung, eine kri⸗ tiſche Durchmuſterung der Thatſachen und das Aufſuchen der natürlichen Grup⸗ pirung, wie ſie objectiv gegeben iſt.“
Das iſt dem Verfaſſer, wie es von ihm zu erwarten war, gelungen. Mit feſter Hand und klarem Blick führt er die Leſer durch den ganzen weiten Kreis und verbreitet überall ein reiches, oft neues Licht. Man kann zwar hie und da mit d. V. ſtreiten, aber man muß ihm ſelbſt dieſe Sätze und Anſichten danken, welche er oft als der erſte auf⸗ ſtellt, und durch deren Anregung er der Aufklärung und der fortſchreiten⸗ den Sicherheit auf dieſen noch ſo viel⸗ fach dunklen Gebieten die erſprießlichſten Dienſte leiſtet. Wir glauben dem treff⸗ lichen Buch überall Anerkennung ver⸗ ſprechen zu können, in der Wiſſenſchaft wie in der Kunſt, bei den Gelehrten wie bei den frei Gebildeten. Und dem Schlußwort d. Ves, daß er das Stu⸗ dium ſeines Buchs beſonders den jun⸗ gen Dichtern ans Herz legen möchte, können auch wir nur unſere völlige Zu⸗ ſtimmung geben.
„Ludwig Tieck.“ Eine litterar⸗ hiſtoriſche Skizze von J. L. Hoffmann. Nürnberg 1856. Eine fleißige Arbeit, der wir in ihrer Kritik nur ein wenig mehr Duldſamkeit gegen eine anders urtheilende Kritik wünſchten. Ein Zu⸗ viel iſt hier und dort nichts andres als eben ein Zuviel. Wir unſrerſeits be⸗ kennen offen, daß wir zwar herzlich gern manchen Producten Tiecks, beſonders einigen ſeiner Novellen und Märchen, unſere volle Anerkennung ſchenken, daß wir auf der andern Seite aber ſeinen meiſten Hervorbringungen nie den ge⸗ ringſten Geſchmack abgewinnen konnten und ihn im Ganzen nicht erſt jetzt, ſon⸗ dern ſchon ſeit geraumer Zeit für mehr oder weniger vergeſſen halten müſſen. Jene unſelige Spielerei mit„Ironie“ und witzloſem Witz wollte uns nie an⸗


