E. Koſſak bringt uns in ſeinen „Pariſer Stereoſkopen,“ Berlin 1855, dieſelbe geiſtvolle Auffaſſung und witzige Darſtellung, die wir in ſeinen Schriften ſtets zu finden gewohnt ſind. Wir machen mit dem V. die intereſſan⸗ teſten Spaziergänge durch die große Stadt. Nirgends verblendet durch ko⸗ kettirende oder prahlende Masken, reißt er ſie vielmehr oft derb der Hohlheit vom Geſicht, und läßt uns manches in einem Licht erſcheinen, das mehr als einem Leſer ein ſehr neues ſein mag, deſſen Wahrheit aber eine unleugbare iſt. Wir wollen nur an den Abſchnitt über die große Oper erinnern, der, wie viele anderen, manche höchſt dankens⸗ werthe Aufklärung bringt. Doch läßt d. V. andrerſeits auch herzlich gelten, was Geltung verdient; und die wahr⸗ hafte Innigkeit und Wärme, der wir auf vielen Seiten begegnen, müſſen auch im Leſer dieſelben Gefühle anregen.
Wir kommen zu einem Buch, das uns nicht nur Freude gemacht, ſondern eine wahrhafte Erhebung gewährt hat. Das ſind: Erlebniſſe aus den Kriegsjahren 1806 und 1807. Aus den hinterlaſſenen Papie⸗ ren des Generals der Cavalle⸗ rie a. D. Auguſt Ludwig Frei⸗ herrn von Ledebur. Zum Beſten der Landesſtiftung: Nationaldank. Ber⸗ lin 1855.— Es ſind Briefe des damals noch jungen Offiziers, in denen er wäh⸗ rend mehrerer Jahre einem Freunde ſeine Erlebniſſe vom 12ten Oktober 1806 bis zum März 1807 mittheilt. Ein ange⸗ ſchloſſener, ſpäter geſchriebener Aufſatz ſetzt vieſe Mittheilungen gedrängter bis ins Jahr 1808 fort.
Von einer Beurtheilung des Buchs kann ſelbſtverſtändlich keine Rede ſein.
Und ſelbſt die Erlebniſſe eines Indivi⸗ duums in jenen Tagen würden uns wenig intereſſiren, möchten ſie auch noch ſo ſeltſam und komplicirt ſein. In ſol— cher Zeit verſchwindet das Einzelne vor dem Ganzen. Allein dieſe Erlebniſſe intereſſiren uns dennoch, weil ſich in ihnen und durch ſie eine Perſönlichkeit entwickelt, wie wir ſie kaum gediegener und bedeutender jemals vor uns ſahen. Wir haben nie und nirgends einen Menſchen geſehen, der auf uns vom Anfang bis zum Ende, in jedem Zuge, in jedem Handeln, in der Darſtellung, im Bericht ſogar über ſeine Erlebniſſe klarer und unabweislicher den Eindruck gemacht: es war ein Mann.
Ja, er war ein Mann, dieſer alte Krieger, in der edelſten, in der wahrſten Bedeutung des Ausdrucks. Ein Mann in ſeinem Entſchluß und in der Aus⸗ führung, ein Mann in ſeiner Treue, ein Mann in ſeiner Beſcheidenheit, in ſeinem Gehorſam, in ſchneller That, an Körper und Geiſt, durch und durch,— ein Charakter von ſolcher eiſernen Feſtigkeit und ſolcher Milde, von ſolcher Gedie⸗ genheit, daß man ſich oft verſucht fühlt, in laute Bewunderung auszubrechen über einen ſo durch und durch tüchtigen und wahren Menſchen.
Wie es ſich von einem ſolchen wahrhaftigen, einfachen und ausgebil⸗ deten Charakter erwarten ließ, iſt die Erzählung die einfachſte und auch die anſchaulichſte von der Welt, von einer Wahrheit und einer Anziehungskraft, wie keine Kunſt es zu leiſten vermocht hätte. Da iſt kein Lamentiren, noch unnöthiges Reflectiren über dieſe oft ſchweren Erlebniſſe, da iſt kein Koket⸗ tiren mit all den Widerwärtigkeiten und Gefahren, mit dem eigenen Handeln und


