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ſtärken und erheben. Es iſt ihr das wohlgelungen. Und wir können das Buch mit voller Anerkennung zur Lec⸗ ture empfehlen; es iſt ein Buch, wie es Frauen lieb werden und Männern ernſten Genuß ſchaffen ſollte, wie es auf den Familienkreis nur wohlthätig wirken kann.— Wir können es zugleich nur billigend anerkennen, daß die Verf. in dieſem letzten Bande wieder dem heimi⸗ ſchen Dialect ſo viel wie nöthig entſagt hat, um ihre Geſchichten dem geſammten Publikum Deutſchlands zugänglicher und lieber zu machen.
Dies letztere, den Dialect nämlich, finden wir in dem zweiten Buch„Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ von Eduard Mörike. Stuttgart 1855. 2te Auflage. Wir kommen trotz dieſer 2ten Auflage hier darauf zurück, denn das Märchen iſt in großen Theilen unſeres Vaterlandes ſicher faſt unbe⸗ kannt oder doch ſpurlos vorübergegan⸗ gen. Und dennoch verdient es mehr als manche andere Bücher der Neuzeit nicht zwei, ſondern zwanzig Auflagen. Aber freilich, wenn man auf jeder Seite bei⸗ nah Wörter findet, die nicht allein lokal, ſondern noch obendrein veraltet und da⸗ her in den hinten angehängten Wort⸗ erklärungen aufzuſuchen ſind, ſo iſt das grade kein Förderungsmittel für eine Unterhaltungsſchrift. Wir können die Nothwendigkeit dieſer Weiſe nicht ein⸗ ſehen; eine lokale und alterthümliche Färbung läßt ſich einem Stoff auch an⸗ ders, als durch die Sprache geben. Und wir können es hier auch nur beklagen, denn das Büchlein iſt ſo vortrefflich, ſo friſch, ſo innig, ſo kunſtreich, ſo einfach, daß wir es dem Beſten in ſeiner Art zuzählen möchten. Und ein ſolches Buch ſollte Gemeingut Deutſchlands ſein in Nord und Süd, in Weſt und Oſt.—
„Seegeſchichten“ von Hein⸗ rich Smidt, Berlin 1855, 2 Theile. Ein Buch mit reichem, wechſelndem In⸗ halt, brav erzählt und überall intereſ⸗ ſant. Der Verfaſſer zeigt wie in ſeinen frühern Büchern auch hier, daß er ſeinen Stoff nicht nur kennen gelernt hat, ſondern darin vollkommen zu Hauſe iſt und ihm daher auch ſeine angemeſſene Behandlung angedeihen laſſen kann. Die Leſer werden gewiß manches Zuſagende in dem Bändchen finden, ob ſie Heiteres oder Düſteres wollen. Sollen wir eine Geſchichte hervorheben, ſo würde es ſein: „Was in den Dünen vorgeht,“ wo d. V. uns auf das Geſchickteſte ein höchſt originelles und intereſſantes Bildchen aufrollt. Doch findet man das mehr oder weniger, wie bereits bemerkt, in all dieſen Skizzen.—
In einem Bande von Lorcks Ei⸗ ſenbahnbüchern führt uns Moritz Buſch die Mormonen vor Augen. Leipzig 1855. Es iſt eine fleißige und intereſſante Zuſammenſtellung deſſen, was man über dieſe Secte weiß und zu wiſſen wünſcht, und verfolgt ihre innere und äußere Geſchichte, die un⸗ glaubliche Geiſtesverirrung und den ebenſo unglaublichen Heldenmuth, die Zähigkeit und Energie, die Leiden und die Leidenſchaften der Secte und ihrer Gegner ſo viel wie möglich vom erſten Entſtehen bis auf die heutige Zeit. Das Buch iſt in ſeiner Gedrängtheit und Klarheit, in Auffaſſung und Darſtellung auch zur häuslichen Lectüre ſehr geeig⸗ net. Und es tritt in einer Sprache auf, die wir, zwiſchen dem jetzt herkömmli⸗ chen leichtfertigen Hinſudeln, nur mit vollſter Anerkennung dem Verfaſſer dan⸗ ken können.


