256 Der Todtengräber. Von Emma Niendorf.
beſchied ihn ein anderer Richter zu ſich. Indem Gerhard vor dieſen trat, ſchwieg das Gewiſſen— das Herz hatte aufgehört zu klopfen.—
Früh am Morgen, als noch die Thautropfen auf den Halmen funkelten, ſaß die Nachbarin mit ihrem bausbackigen Jungen auf dem ſonnenverbrann⸗ ten Arme wieder neben Lene auf der Bank vor dem weißen Hauſe mit der engen Thüre unter dem Apfelbaume, in deſſen Laub jetzt ſchon die Früchte ſchwellten.„Da drüben ſieht man nun auch keinen Meiſter Gerhard mehr auf und ab wandern zwiſchen den Todtenmalen. Morgen zieht der Andere ein,“ ſchwatzte das freundliche Weib.„Er ſoll ſchwer geſtorben ſein. Nun, Sie waren dabei. Gott ſei ſeiner armen Seele gnädig!“—„Amen!“ ſagte Lene und nähte fleißig fort an dem neuen Röcklein des kleinen Chriſtian. Sie kam ſich jetzt zweimal verwaist vor.


