Von Emma Niendorf. 251
Grabe vorbei; es war ein Sattler, noch ein junger Mann, wir hatten ihn erſt geſtern verſcharrt. Da hörte ich ihn klopfen. Ich meinte, ich irre mich
und hielt den Schritt an. Nein, es klopfte richtig! Ich aber ging weg und
machte nicht auf. Mein Knecht war ſchon lang fort— denn es hat ja nie⸗ mand Platz im Häuschen neben mir— und der Taglöhner auch. Ich dachte: bis ich hinunter grabe, ſo tief hinunter, bis ich da ſo weit hinunter komme, ich ganz allein mit meiner einzigen Hacke und Schaufel, lebt der Andere doch nicht mehr. Da laß ich es gehen.“
„Ich horche noch einmal und laufe dann als ſei einer hinter mir, der mich einholen wolle, unter mein Dach. Ich habe das Klopfen immer noch im Ohr. Ich ziehe mich aus, ich lege mich in's Bett, werfe mich hin und her, bis ich einſchlafe. Nach ein paar Stunden ſchreckt es mich auf. Ich habe das Klopfen immer noch im Ohr. Mir iſt', als ob der Sattler mir nachgefolgt ſei bis an die Schwelle.„So klopf' und klopf!“ rufe ich zornig.“
„Aber es duldet mich nicht länger auf meinem Lager. Ich ſpürte ſchon Reue. Ich ſpringe auf, greife zum Handwerkszeug und renne hinaus, wie ich bin, ohne Kleider, barfuß durch das naſſe Gras, bis ich im Finſtern das rechte Grab finde, Aber da hatte ich gut horchen und den Athem anziehen. Alles iſt jetzt mäuschenſtill da unten. Kein Heimchen regt ſich im Grabe. Die Nacht iſt grauſig⸗ſtill. Ich lege mich auf den Boden mit dem Geſicht — aber ich kann nichts erlauſchen. Aus ulgeduld kratze ich mit allen zehn Nägeln in der Erde. Kein Laut, kein Hauch— auch dieſes Grab jetzt ſtumm wie all die andern rings umher!“
„Nun verſtand ich erſt den Umfang meiner Unthat. Ich wartete noch lange, lange vergebens. Zuletzt kehrte ich um und legte mich auch wieder hin, bin aber nicht mehr eingeſchlafen— eigentlich nie mehr ruhig eingeſchlafen ſeit dieſer Nacht. Immer und immer höre ich noch das Klopfen, um mich, außer mir, in mir, ich weiß nicht wo? Ueberall verfolgt es mich. Oft bin ich um Mitternacht davor mit geſträubtem Haare aus meiner Kam⸗ mer geflohen. Mich ſchauderte vor dem Grabe des Sattlers und doch zog es mich auch wieder häufig hin, als könnte ich nur dort gerettet werden; und manchmal hab' ich auf meinen Knien das ſteinerne Kreuz umſchlungen, über dem die Halme jezt zuſammenſchlagen, das in ihnen auch gleichſam wie begraben iſt.“
„Das eingeſunkene Kreuz, Herr Gerhard, auf dem auch ſchon Moos


