fte ſih
lbſt den
wil
icht
itt
Von Emma Niendorf. 245
Er kehrte noch einmal um, es ſchien ihn zurück zu ziehen. Mit kräf⸗ tigen Schritten, aufgerichtetem Leibe, ganz anders als vorhin, wand er ſich durch die thauigen Hügelreihen, bis er vor einer friſchen Grube ſtand, welche der Mond ſcharf beleuchtete. Es war ein Kampf in dem Manne, ein Grauen, das ihn wegzutreiben, ein anderes Etwas, das ihn zu bannen ſchien. Zuletzt konnte er der Verſuchung doch nicht widerſtehen, in das gähnende Loch, in dieſe Wunde der ſchwarzen Erde hinunter zu ſteigen. Mit tiefem Aufathmen ſtreckt er ſich darin aus, die Hände kreuzend über der hart arbeitenden Bruſt. Gleich fuhr er jedoch empor wie ein aufgeſcheuchtes Wild.„Ich halt' es nicht aus, fort, fort!“— Wer ihn ſo gehezt geſehen, hätte glauben mögen, Geiſter jagten hinter ihm her.„Gäbe es doch Ge⸗ ſpenſter, rechte Geſpenſter,“ murmelte er vor ſich hin, während die Uhr von der Todtenkapelle, wo keine Zeit mehr iſt, in dünnen hellen Tönen Mitter⸗ nacht ſchlug;„wie wollte ich fragen, bitten! O es gibt ganz andere Ge⸗ ſpenſter als die Leute meinen!— Morgen gewiß will ich anfangen,“ fügte er hinzu, ſich mit der Fauſt vorne gegen die Stirne hämmernd.„Steht nicht in dem dicken Buch vom Rector, daß die Karthäuſer ſich jede Nacht in ihren Särgen zur Ruhe legen? Ja, ich will mir auch oft in einem offenen Grabe betten, ſo oft ich eines aufſchaufle, es jedesmal vorher auswohnen für den, der neu einzieht, bis ich ſelbſt ſterben kann, ſterben muß.“—
Es iſt um die Roſenzeit. Bei allen Kreuzen und Urnen neigen ſich die ſchwellenden Kelche, wie Jugendreiz und Erdenglück, die der Entſagung und dem frühen Tode geweiht ſind, und ſtreuen, ſelbſt ſterbend— wie aus Liebe— die ſüßen Blätter zum Opfer über die Grüfte. Trotz dem Duften, trotz dem kryſtallblauen Himmel, ſitzt Lene, zu ihrer Arbeit gebückt, aber nicht auf der Bank vor der Thüre des Todtengräberhäuschens, ſondern drinnen in der dämmerigen niedern Stube. Sie hat ihren Hocker an das kleine, epheuverhängte Fenſter gerückt, vor dem zum Ueberfluſſe noch die Spinne ihren Flor webt, blickt aber öfters über ihr Linnen weg nach dem Großvaterſtuhle in der Ofenecke, wo Meiſter Gerhard ruht mit halboffnen Augen, das ermattete Haupt an die hohe und grade, mit grünem Tuche und Nägelköpfen beſchlagene Lehne gedrückt.
Jetzt machte er eine Bewegung, als möchte er ſich aufrichten; gleich ſteht die Näherin neben ihm. Mit großen Augen ſchaut er ſie an, die ver⸗


