Jahrgang 
1855
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Von Moritz Buſch. 231

iſſſ⸗. Graben hin und her traben, iſt geradezu unglaublich. Unermefliche Heerden fen, werden jährlich nach England geſchickt, ebenſo unermeßliche wandern nach ies⸗ Hamburg in die Schiffsſchlachtereien, und dennoch tritt auf dem Weide⸗ lun,. grunde kein Mangel ein.

Man kann die Marſchen in drei Rubriken trennen. Ganz im Norden,

und ſi zwiſchen Tondern und Ripen ſind ſie uneingedeicht und bloße Weiden. In ucht den Marſchen des Frieſenlandes und Eiderſtedts, ſowie in denen weſtlich de von Lunden und Heide herrſcht ebenfalls die Viehzucht vor, doch bemerkt in⸗ man auch mächtige Breiten, die mit Weizen, Wintergerſte, Raps und den ier hier fleißig angebauten Saubohnen beſtellt ſind. In den Flußmarſchen end⸗ lich iſt der Ackerbau überwiegend, wiewohl auch hier noch beträchtliche Maſſen g⸗ von Ochſen für den Markt gemäſtet werden. Sind die Köge des Nordens völlig waldlos, bieten ſie dem nach Baumſchlag ſich ſehnenden Auge nichts men als hin und wider eine Fliederhecke, hier und dort in einem Garten am Ufrr Gehöfte einige dürftige Eſchen und Weiden, ſo kommen hier, in Eiderſtedt und Dithmarſchen, bei den einzeln ſtehenden Gütern ſchon kleine Wäldchen⸗ vor, und ſo zeigt noch weiter ſüdlich die Wilſter- und Cremper⸗Marſch bereits einen großen Reichthum von Bäumen und Sträuchern aller Art. 6 Die Seemarſchen ſind ungeheure Viehſtälle unter freiem Himmel, die Fluß⸗ marſchen unermeßliche Gartenbeete, jene gemahnen an die Corrals der i õ Ebene von Buenos Ahres, dieſe erinnern mit der außerordentlichen Sau⸗ 4 berkeit ihrer Gehöfte, mit den ſchnurgerade abgezirkelten Beeten ihrer zahl⸗ i⸗ reichen Blumengärten, mit den verſchnittenen Hecken, die dieſe umgeben, mit U den Regimentern von Schneckenmühlen, welche auf den Wieſen für Ent⸗ 6 wäſſerung des Landes arbeiten, ſehr lebhaft an holländiſche Gegenden. t An den Außendeichen dauert die Bildung des Marſchlandes noch ie immer fort. Sowie die breiartige Maſſe des Schlicks, der beim Zurücktreten iben der Flut am Strande ſich anſetzt, einige Feſtigkeit erlangt hat, beginnt die den. Vegetation. Hat ſich dasWatt ſo nennt man dieſes allmählig ent⸗ die ſtehende Vorland jenſeits der Meerdeiche von der Menſchenhand in ſeiner itz, 5 Entwickelung durch Anlegung von niedrigen, mit Strohgeflechten überklei⸗ ge⸗ deten Dämmen gefördert, bis zur gewöhnlichen Fluthöhe gehoben, ſo über⸗ zieht es ſich raſch mit einem Teppich von Waſſerpflanzen. Erſt zeigt ſich in der Queller, dann der Andel, hierauf der Horrich. Dann läßt der getrock⸗ m ſo nete Schlamm in beſtimmter Reihenfolge verſchiedene Gräſer aufgehen, aus denen ſich ſchräg abfallende ſalzige Wieſen, nur zur Schafzucht brauchbar,