Jahrgang 
1855
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230 Schleswig⸗Holſtein'ſche Bauern.

Kukuksblumen dazu, ſo reich wie auf irgend einer der Prairien des Miſſiſ⸗ ſippithales. Dieſſeits Mangel, jenſeits Ueberfluß an Waſſer, das in tiefen breiten Gräben und zahlloſen Kanälen die Fennen und Köge umgibt. Di es⸗ ſeits Mühſal und karger Lohn, wenige magere Kühe, ſchmächtige Geſtalte höchſtens zwei Pferde, häufig nur eins vor dem Pfluge, jenſeits ein welches den trägſten Bauer mit ſeinem Reichthume faſt erſtickt, welches, im Durchſchnitt nur zu einem Drittel mit Saat beſtellt, mehr als gebraucht wird liefert, deſſen Heerden den Talg ihrer Nieren und Wammen und die Milch ihrer Euter mit Mühe durch das hohe fette Gras der Wieſen hin⸗ ſchleppen, und bei deſſen Bearbeitung der Ackersmann mit drei, ja mit vier Paar Pferden vor dem Pfluge kaum zu Stande kommt.

Die Marſchen ſind im eigentlichſten Sinne des Worts herzuge⸗ ſchwommenes Land. Sie ſind ein Geſchenk des Meeres, oder wenn man will, ein ſeiner Gewalt abgetrotzter Raub. Aus zähem, faſt vollkommen ſandfreiem Thone beſtehend, der unaufhörlich von der Flut an das Ufer getrieben wird, ruhen ſie, oſt bis vier Fuß tief, entweder auf Sandlagern oder Moorgrund. Sie ziehen ſich in einem bald breiteren, bald ſchmäleren, im Sommer tiefgrünen, im Herbſte gelblichen, nach Norden zu völlig baum⸗ loſen Streifen längs der ganzen Weſtküſte und längs dem Ufer der in die Nordſee mündenden Ströme hin. Nach dem Meere hin bilden die gewal⸗ tigen Bollwerke der Haffdeiche ihre Grenze. Zahlloſe andere Dämme, welche einſt dieſelbe Beſtimmung hatten, jetzt aber, wo das Land weit über ſie hin⸗ ausgewachſen iſt, nur noch als Straßen dienen, durchſchneiden ſie nach allen Richtungen und theilen ſo die unter ihnen ſich hindehnende Marſch in ein⸗ zelne Markungen oder Köge. Am Saume der Geeſt liegen geſchloſſene, oft ſehr große Dörfer. In der Marſch dagegen gibt es lediglich zerſtreute Höfe, die ſich auf künſtlichen Hügeln(Wurthen) erheben, gewöhnlich mit Gräben (Wettern) umringt ſind und bisweilen ſehr beveutend de Kirchſpiele bilden. Des außerordentlichen Graswuchſes halber überwiegt in den Marſchen die Viehzucht. Je beſſer der Boden iſt, deſto mehr wird er als Weide benützt, und es Strecken, die ſeit länger als hundert Jahren keinen Pflug ge⸗

ſehen ha

it⸗ und der Zuſtand der Maſſen geſcheckter Rinder, die im Chriſtian⸗Albrechts⸗Koog, in Eiderſtedt und in den Kögen bei Tondern ſo weit das Auge reicht im Graſe wandeln, wiederkäuen, in den Tümpeln und

Tränkeſtellen ſich wälzen, paarweiſe aneinander gekoppelt von Graben zu