226 Schleswig⸗Holſtein'ſche Bauern.
Welt mit Fug an die Seite ſetzen läßt. Nirgends zum Wenigſten fand ich mich ſo heiter, ſo friedevoll und ſo behaglich geſtimmt wie hier. Nirgends hätte ich, wenn es dem Wanderer geſtattet wäre, den Stab wegzulegen, und wenn das Dänenthum nicht das Athmen beengte, ſo gern wie an dieſen Küſten ausgerufen:„Hier iſt gut ſein, hier laßt uns Hütten bauen!“
Und nun, welch ein Unterſchied zwiſchen dieſem Arkadien und der Dürre und Troſtloſigkeit des Mittelrückens der Halbinſel, der an den meiſten Stellen zwar von der fleißigen Menſchenhand angebaut worden iſt, immer aber noch große Einöden hat, die an einigen Punkten bis tief in jenes üppige Gartenland hinein und bis hart an das Meer reichen! Welch ein ſchroffer Gegenſatz und welch eine unerfreuliche Ueberraſchung, wenn der Wanderer aus dem Keſſel der Hüttener Berge auf die Kroppheide hinaus⸗ tritt, oder wenn er aus dem Thiergarten Schleswigs nach den Mooren von Bollingſtedt emporſteigt! Welch eine Verwandlung der Scene trifft das Auge beim Hervortreten aus den Schatten des zauberhaft ſchönen Kupfer⸗ mühlenholzes bei Flensburg auf der Hochebene zwiſchen Bau und Seegaard, oder nach dem Abſchiede von dem Eden, welches die Törningmühle umgibt, auf den kahlen, trübſeligen Sandheiden zwiſchen Hammeler und Beftoft!
Nicht überall jedoch iſt der Uebergang ein ſo plötzlicher. Gewöhnlich wird der Wanderer erſt allmählig inne, daß er ſich in einem weniger ge⸗ geſegneten Striche befindet. Statt der ſtolzen Buchen zeigt ſich beſcheidenes Buſchwerk von Eichen und Birken. Die Hecken werden dürftiger. Die Wai⸗ zenfelder hören auf und machen dem Roggen und dem Heidekorn Platz. Die Wege führen durch Sand, der eine röthliche Farbe annimmt. Das Aeußere der Dörfer wird ärmlicher. Noch weiter nach Weſten verliert ſich die Straucheinfriedigung völlig und nur nackte Erdwälle und Gräben, an denen bereits Heidekraut und Sandweiden auftreten, bleiben übrig. Das Getreide ſteht dünn und niedrig und trägt leichte, kümmerliche Aehren. Selten be⸗ gegnet das Auge weidenden Heerden, nirgends mehr großen Gütern. End⸗ lich iſt der letzte Hügel erreicht, den die See geboren, und unter ihm ſtreckt ſich nach Weſten hin die unabſehbare Heide aus. Statt des tiefen, ſaftigen Grüns, das im Oſten die herrſchende Farbe iſt, liegt hier ein triſtes Roth⸗ braun über die endloſe Fläche hingegoſſen, das im September, wo das Hei⸗ dekraut blüht, ſich in ein nicht minder düſteres Violett umwandelt. Wie das zottige Fell eines häßlichen Waldungeheuers überzieht dieſe Ebene ein
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