Jahrgang 
1855
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224 Schleswig⸗Holſtein'ſche Bauern.

plätſchern die Wellen. Weiße Segel gaukeln auf der blauen Flut. Eine langgeſtreckte Stadt mit hellrothen Ziegeldächern liegt in der Tiefe. Wie eine graue Schlange windet ſich die Chauſſee von ihr an der entgegenſtehen⸗ den grünen Hügelwand hinauf. Der Wind ſpielt mit Flaggen und Wim⸗ peln. Mühlenflügel drehen ſich zu Dutzenden, Fabrikſchornſteine, Eſſen von Dampfern rauchen. Auf den Quais und in den Gaſſen am Hafen herrſcht das regſte Leben.

Man geht durch den Ort, ſteigt die Höhen, welche die Bucht einſchließen, hinauf, betritt die Heckengaſſe wieder, und das ganze Vild in der Tiefe iſt ſo ſpurlos verſchwuuden, als ob es meilenweit entfernt läge, und nur die Erinne⸗ rung an die Ueberraſchung, die es bereitet hat, begleitet den Weiterziehenden.

Laſſe ich im Geiſte die Augen über das Land ſchweifen, um in der Kürze die ſchönſten Punkte zu bezeichnen, ſo iſt mir wie dem Schmetterling zu Muthe, der in einem Blumengarten nicht weiß, auf welcher Blüthe er ſich zuerſt niederlaſſen ſoll. Da breitet ſich im Süden das Paradies von Holſtein, und dort, nur durch den Eiderkanal und die Eiderdänen vom Zwil⸗ lingsbruderlande geſchieden, das nicht minder paradieſiſche Oſtſchleswig aus. Dort glänzt die weite Waſſerfläche des Plöner Sees; dort trauert in Mitten von Bäumen mit geſenkten Häuptern der ſtille, düſtere Uglei, aus deſſen Tiefe an ruhigen Abenden die Glocke einer verſunkenen Kapelle heraufklingt, dort ſchaut heiter, wie die Sonne, die ſich in ihm ſpiegelt, der See von Se⸗ lent nach der Blohmburg empor, mit der man ſein Ufer geſchmückt hat. Hier ſchlängelt ſich durch ein Thal ſo lieblich, wie kein anderes im Norden der Elbe, die Schwentine der Kieler Föhrde zu, und hier iſt ſie ſelbſt, dieſe Königin aller Buchten der Oſtſee, geräumig, ſicher vor Stürmen, tief, wie das Meer draußen, weit genug, um allen Flotten der Welt auf einmal zum Hafen zu dienen, zugleich aber berühmt durch die Anmuth ihrer Ufer.

Ueberfliegen wir den Kanal und laſſen uns auf einer der ſteilen Kuppen nieder, die ſich bei dem Meierhofe Hütten weithin ſichtbar und weit⸗ hin blickend über das wellenförmige Tiefland erheben, ſo breitet ſich vor uns der größte Theil Südſchleswigs mit ſeinen ſtattlichen Dörfern, ſeinen zahlreichen Edelhöfen und ſeiner vielgezackten Küſte aus, ein außerordentlich ſchönes Panorama. Da ſtreckt ſich mit ſeinen Gehölzen, rechts von der Kieler, links von der Eckernförder Bai eingefaßt, der däniſche Wohld, da mit ſeinen fetten Triften das grüne Schwanſen, da am nördlichen Horizont das herrliche Angeln hin, welches ſie das Goſen der Geiſtlichen nennen.